Kawasaki Versys 1000

Test: KAWASAKI VERSYS 1000 / VERSYS 1000 SE Crossover GrandTourer (Baujahr 2019)

Mehr Elektronik, mehr Funktionen, mehr Komfort

image"Ob solo oder zu zweit, ob mal eben um die Ecke oder durch die ganze Welt: Die Kombination aus dem drehfreudigen, auf Flexibilität abgestimmten Reihenvierzylinder und dem agilen Fahrwerk mit dynamischer Federung dieses Sportmotorrads sorgt für große Fahrfreude. Sportliches Fahren, Touren oder beides – die neue Versys 1000 ist für jedes Abenteuer bereit.“ So verspricht es Kawasaki auf seiner Hompage. Ob das stimmt, haben wir gestestet.

Was ist neu an der Kawasaki Versys 1000

Die Versys 1000 führt die Vielseitigkeit ihrer Vorgängerin fort und bietet weiterhin maximalen Fahrspaß in einem großen Bereich von Fahrsituationen auf der Straße. Kawa spendiert den Crossover-Modellen zum Modelljahr 2019 einige Überarbeitungen: Die Motorabstimmung des Reihenvierzylinders mit 1.043 cm³ wurde modifiziert, was für mehr Power untenrum sorgt. Außerdem werden die Drosselklappen für eine bessere Gasannahme jetzt elektronisch angesteuert.

Neben der normalen Versys 1000 gibt es eine besser ausgestattete Versys 1000 SE welche wir für diesen Test zur Verfügung hatten. Bei beiden Maschinen wird der Motor jetzt mittels Ride-by-Wire angesteuert. Das ist vorteilhaft für die Applikation des serienmäßigen Tempomaten, sowie die Integration der neuen Bosch-IMU. Der Sensor steuert das ebenfalls serienmäßige Kurven-ABS. Auch eine Traktionskontrolle KTRC ist in Serie verbaut.


Für gute Verzögerungswerte sorgt das Bremssystem KIBS mit radial montierten Monoblock-Sätteln und radialem Hauptbremszylinder. Dieses wurde von den Supersportmodellen Ninja ZX-10R und H2 übernommen und an die längeren Federwege der Versys angepasst. Das ABS-System der Versys wurde die Kurvenfunktion erweitert und auch an den weiteren Regelsystemen wurden gefeilt.

Bei der deutlich besser ausgestatteten SE-Variante gibt es noch ein elektronisch geregeltes Fahrwerk, einen Quickshifter sowie vier vorwählbare Fahrmodi. Die neue Verkleidungsscheibe ist nun mechanisch in der Höhe verstellbar, die Sitzbank ist durch den neuen Schaum angenehmer und für kleinere Fahrer auch 20 mm niedriger zu haben.

Bremse Versys 1000



Die Frontmaske wurde mit zwei LED-Scheinwerfern leicht modifiziert. Das Rücklicht wurde ebenfalls auf LED-Technik umgestellt und es gibt nun serienmäßig eine 12V-Bordsteckdose. Der Windschild ist stufenlos einstellbar und das Kombiinstrument wurde mit analogem Drehzahlmesser und LC-Display neu gestaltet.

Die SE verfügt neben einem schickeren Farb-TFT-Display insgesamt über einiges mehr an Komfort-Goodies als das Basismodell: Zu nennen wären hier das semi-aktive Fahrwerk KECS (inklusive Verstellung der Federvorspannung am Heck in drei Stufen), LED-Kurvenlicht, der Quickshifter (up/down), vier Fahrmodi: Sport, Straße, Regen plus ein konfigurierbarer Modus, die Smartphone-Connectivity mit „Rideology App“, eine Lackierung mit Selbstheilungsfunktion bei kleinen Kratzern, das Großer Touring-Windschild sowie Heizgriffe und Hand-Protektoren.



So fährt sie sich

Die Sitzposition ist prima! In 840 Millimeter Höhe sitzt man aufrecht und komfortabel auf der Versys 1000 SE. Besonders angenehm hierbei ist auch die hohe Soziussitzbank, die fast einer kleinen Lehne hinter dem Fahrer gleichkommt. Auch bei flotteren Beschleunigungen rutscht man so kein Stück nach hinten was sich angenehm und sicher anfühlt. Dank des breiten Lenkers sind Korrekturen im Kurvenverlauf gut machbar und auch das Windschild verrichtet seine Aufgabe zuverlässig. Schade allerdings, dass man dieses nur manuell und vor allem nur mit beiden Händen verstellen kann - das wird also während der Fahrt leider nix. Dennoch unterm Strich fühlt sich alles gut und bequem an und man möchte am liebsten direkt eine längere Tour starten. Etwas skeptisch waren wir bei der Motorisierung der Maschine.



Wir hätten hier eher keinen Reihenvierzylinder erwartet und fanden die Kombination ungewöhnlich für ein Bike, welches als Adventure Tourer beworben wird. Aber: wir müssen zugeben das Konzept funktioniert hervorragend und macht wirklich Laune. Schaltfaule Fahrer werden ihre Freude haben wenn sie im sechsten Gang mit 50 km/h durch die Ortschaft gurken. Da ruckelt nix - wirklich gar nix! Und diejenigen die etwas sportlicher über die Straßen rauschen möchten kommen ebenso voll auf Ihre Kosten. Nun mag es den ein oder anderen geben dem die 120 PS wenig erscheinen - sicher die Konkurrenz hat hier stellenweise mehr zu bieten. In unseren Augen reicht die Leistung allerdings völlig aus und einen Kraftmangel konnten wir an keiner Stelle feststellen.

Allerdings hat die Maschine mit 257 Kilogramm ein nicht gerade zartes Eigengewicht. Das semiaktive Fahrwerk funktioniert ausgezeichnet und bügelt Unebenheiten und andere Störeinflüsse glatt und dank Ride-by-wire steuert der Versys-Pilot sein Schiff äußert souverän und sicher in den nächsten Hafen. Neben der vier Fahrmodi Road, Sport und Rain sind die bereits vorkonfiguriert sind, gibt es zusätzlich einen Rider-Mode, der eine komplett eigene Abstimmung ermöglicht. Ganz interessant: Der Fahrer hat die Möglichkeit seine Werte wie zum Beispiel sein Gewicht anzugeben und das Bike übernimmt diese Informationen entsprechend als Ausgangswert für alle Einstellungen. Das Bremssystem KIBS mit radial montierten Monoblock-Sätteln und radialem Hauptbremszylinder funktioniert hervorragend. Man kennt dieses ja bereits von der Ninja ZX-10R und H2, lediglich an die längeren Federwege der Versys musste es angepasst werden.



Und es gibt noch mehr Komfort: Die uns zur Verfügung gestellte Special Edition hat mit LED-Kurvenlicht, Quickshifter (lässt sich übrigens bei der Standard-Variante auch für etwa 300 € nachrüsten), Heizgriffen und Bordsteckdose eine wirklich üppige Ausstattung. Sogar einen selbstheilenden Lack gibt es. Das hätten wir zu gerne ausprobiert - haben uns dann aber doch nicht getraut. Wer nicht mehr selbst spürt, wie sehr er sich in Schräglage befindet, dem zeigt die sog. Lean-Anzeige im Display den aktuellen Neigungswinkel an - nett aber ich persönlich spüre die Kurven lieber selbst, als sie im Display abzulesen ;-). Wirklich crazy ist die Smartphone-Connectivity mit der „Rideology App“.

Hier hat man zum Beispiel die Möglichkeit, die Einstellungen des Motorrades bereits beim Frühstück vorab am Küchentisch vorzunehmen. Wenn es dann los geht, übernimmt die Versys die Einstellungen und man spart sich lästiges Gefummel durch das Menu. Hmm - klingt toll, innovativ und zukunftsweisend, geht mir persönlich aber 2-3 Schritte zu weit und ich finde dieses Feature verzichtbar. Es lassen sich damit aber auch Touren aufzeichnen und Anrufe am Display erkennen, also wer´s mag...



Fazit - was bleibt hängen

Alles in allem ist die Kawasaki Versys 1000 SE ein sehr gelungenes Bike, das nach unserem Empfinden weniger einen Adventure-Tourer als einen Sport-Tourer verkörpert. Auf jeden Fall ist man mit diesem Motorrad aber gut und äußerst komfortabel gerüstet, wenn die nächste größere Tour ansteht. Optisch finden wir das Bike auch sehr gelungen und vor allem das strahlende grün unseres Testbikes macht auf uns einen wirklich erfrischenden Eindruck. Aber das alles ist natürlich wie immer Geschmackssache. Deshalb gibt es neben Emerald Blazed Green / Pearl Storm Gray (SE) folgende Farbalternativen: Metallic Flat Spark Black / Pearl Flat Stardust White (SE), Pearl Flat Stardust White / Metallic Flat Spark Black, Candy Steel Furnace Orange / Metallic Spark Black.

Kleinere Mankos sehen wir bei der Windschildverstellung sowie bei der Höhe von Gewicht und Preis. Das gleicht die Maschine allerdings durch die sehr umfangreiche Ausstattung, das tolle elektonisch geregelte Fahrwerk und die gelungene Kombination aus Zeigerinstrument und TFT aus. Auf jeden Fall ist dieses Bike immer eine Testfahrt wert, denn es macht wirklich Freude auf dem Ding durch die Gegend zu gleiten. Und dabei wird sich dann auch gut feststellen lassen ob das für Euch der richtige Begleiter ist oder ob es (wie bei mir) am Ende doch etwas mehr Adventure sein darf. Das Testmotorrad wurde uns freundlicher Weise von Heller und Soltau zur Verfügung gestellt.

Preise und Ausstattung

Bild: Kawasaki
open
close

Pro & Kontra

  • umfangreiche Ausstattung
  • gelungenes semi-aktives Fahrwerk (KECS)
  • Kombination aus Zeigerinstrument und TFT toll gelöst und gut ablesbar
  • recht hohes Gewicht
  • Windschild nur manuell und mit beiden Händen verstellbar
  • relativ hoher Preis
Von unserem Team geprüft:

Allgemein

Typ
Adventure
UVP
13.095 €

Abmessungen

Länge
2.270 mm
Höhe
1.400 mm
Gewicht
257 kg
zul. Gesamtgewicht
459 kg
Sitzhöhe
840 mm
Radstand
1.520 mm

Fahrleistungen & Reichweite

0 auf 100
3,5 s
60 auf 100
3,7 s
Tankinhalt
21 l
Verbrauch
5,2 l
Reichweite
404 km
Höchstgeschw.
226 km/h

Motor & Kraftübertragung

Motorbauart
Reihe
Zylinderzahl
4
Kühlung
flüssig
Hubraum
1.043 ccm
Bohrung
77 mm
Hub
56 mm
Leistung
120 PS
9.000 U/Min
Drehmoment
102 NM
7.500 U/Min
Ganganzahl
6
Antrieb
Kette

Fahrwerk & Bremsen

Rahmen
Doppelprofilrahmen
Aluminium
Federung vorn
43-mm-Upside-Down-Gabel mit KECS-gesteuerter Druck-und Zugstufendämpfung Manuell einstellbarer Federvorspannung und Top-Out-Federn
Federweg:
150 mm
Federbein hinten
Horizontaler Backlink, Gasdruck-Stoßdämpfer
Federweg:
152 mm
Aufhängung hinten
Horizontal angeordnetes Back-Link-Gasdruck-Zentralfederbein
Bremsen vorne
Halbschwimmende 310-mm-Doppel-Petal-Bremsscheiben. Bremssattel: Doppelt radial montiert, Monobloc, gegenüberliegende 4-Kolben
310 mm
Reifen vorne
120/70ZR17M/C (58W)
Bremsen hinten
250-mm-Einzel-Petal-Bremsscheibe. Bremssattel: Einkolben
250
Reifen hinten
180/55ZR17M/C (73W)
ABS
Kurven ABS