Suzuki GSX 1250 F

Suzuki GSX 1250 FA im Test (Baujahr 2016)

Kräftiger Allrounder mit sportlichen Genen

imageDie Suzuki GSX 1250 FA ist eine Bandit mit Vollverkleidung, auch wenn Suzuki den Beinamen "Bandit" bei diesem Modell eigentlich nicht so gerne hört. Sie wurde ab 2010 gebaut und fiel Ende 2016 der Euro-4 Norm zum Opfer. Eigentlich schade, findet unser Autor, denn allroundige Sport-Tourer wie die FA gibt es immer seltener. 

Einleitung

Die Geschichte der großen Bandit beginnt 1996. Damals stellte Suzuki die GSF 1200 vor, eine luft/ölgekühlte Maschine mit leistungsstarkem Vierzylinder, welche aufgrund der Zuverlässigkeit und dem sehr günstigen Preis schnell eine veritable Fangemeinde um sich scharen konnte.

Ab 2007 wurde die 1200er dann durch die Bandit 1250 abgelöst. Diese wassergekühlte Bandit war nach Euro-3 homologiert und setzte den Erfolg des Vorgängers zunächst fort. Ab 2010 bot Suzuki dann zusätzlich die GSX 1250 FA an. Außer der Vollverkleidung und einem zweiten Lüfter gab es zwar kaum Unterschiede zur nackten oder halbverschalten Bandit 1250, trotzdem durfte die FA den Beinamen "Bandit" nicht mehr länger tragen. Die Modellbezeichnung "GSX" sollte deutlich machen, dass diese Maschine weiter Richtung Sport tendiert als die normalen Bandits.

Die anfangs sehr guten Verkaufszahlen gingen ab 2012 immer weiter zurück, sodass sich Suzuki Ende 2016 entschied, den Motor der GSX 1250 nicht mehr für die anstehende Euro-4 Norm umzubauen. Seitdem gibt es keinen echten Sport-Tourer mehr im Suzuki-Programm und auch die GSF-Bandits wurden eingestellt.

Soziusbetrieb auf der GSX 1250 FACockpitBremsanlage

Das soll sie können

Die GSX 1250 FA macht aufgrund der Vollverkleidung und dem guten Windschutz auch auf Touren eine gute Figur. Sie ist zwar sportlich ausgelegt, aber der hohe Lenker und die aufrechte Sitzposition ermöglichen eine herzhafte Alpentour ohne Rückenschmerzen.

Sogar im Soziusbetrieb kann die FA punkten, für Fahrer und Beifahrer gibt es reichlich Platz auf dem großen Bike. Das Cockpit hat Suzuki namensgetreu aus älteren GSX-Modellen übernommen. Es gibt einen analogen Drehzahlmesser und ein LCD-Instrumentenbereich mit digitalen Anzeigen für Tempo, Gang, Tankinhalt und so weiter. Den Schaltblitz hat Suzuki aus seinen GSX-Rennern für die FA übernommen, was uns allerdings ein wenig übertrieben scheint, denn hohe Drehzahlen sind für den 1250er Motor eigentlich nicht passend. 

Motor der GSX 1250 FA

So fährt sie sich

Der eigentliche Star der GSX 1250 FA ist ohne Frage der Motor. Der Reihen-Vierer bricht auf dem Papier mit 98 PS zwar keine Rekorde, das früh anliegende hohe Drehmoment (108 Nm bei 3.700 U/Min) macht aus der GSX aber eine kleine Rakete. In 3,4 Sekunden beschleunigt die Maschine von 0 auf 100 km/h, und vor allem in Sachen Durchzug überzeugt die GSX. Trotz der Kraft des Motors fühlt sich GSX dabei in der Kraftentfaltung sehr sanft an. 

Man sitzt auf der GSX 1250 eher "auf" als "in" der Maschine. Das fällt einem vor allem dann auf, wenn man von einem anderen Bike umsteigt, in der man in der Maschine sitzt. Das ist nicht als Kritik anzusehen, man gewöhnt sich schnell an die Sitzposition, und viele Fahrer empfinden gerade diese entspannte Sitzposition der FA als einen der großen Vorteile, vor allem gegenüber den Super-Sportlern mit ihren auf längeren Strecken ungemütlichen "In-der-Maschine" fast schon liegenden Positionen.

Das Fahrwerk der Maschine ist straff, aber nicht unkomfortabel ausgelegt. Damit lässt es sich sportlich fahren, obwohl sich die GSX natürlich nicht so wendig in die Kurven werfen lässt wie die "echten" Sportler von Suzuki. In Spitzkehren oder sehr engen Kurven braucht die Suzi schon eine harte Hand. Das liegt vermutlich am fetten 180er Hinterrad und natürlich an ihrem Gewicht von immerhin 257 kg vollgetankt. Dadurch liegt das Motorrad allerdings auf der Straße wie ein Brett und bietet einen hervorragenden Geradeauslauf. Gerade auf der Autobahn macht die Suzi damit eine sehr gute Figur. 
 

An dieser GSX 1250 wurde der riesige Standard-Auspuff durch einen leichten Leo Vince Evo One getauscht.

Im Gegensatz zu modernen Bikes kommt die GSX in Sachen Assistenzsysteme klassisch daher, außer ABS gibt es keine technischen Helferlein. Kein Ride-by-wire, keine Fahrmodi, kein Antischlupf, keine Traktionskontrolle, kein gar nichts. Hier muss der Fahrer noch selber fahren. Zumindest einen Bordcomputer hat Suzuki der GSX 1250 FA gegönnt, der allerdings nicht vom Lenker aus bedienbar ist. Die einfache Ausstattung hat einen großen Vorteil: Innerhalb weniger Momente hat man die Möglichkeiten und Einstellungen durchschaut und kann sich so ganz auf das Motorrad-Fahren konzentrieren. Nichts lenkt ab.

Bei den Themen Bremsen, Fahrwerk und Getriebe gibt es bei der 1250er nichts zu meckern. Wir haben deshalb während des Tests nichts vermisst und uns an der leichten Bedienbarkeit erfreut. Draufsetzen, anlassen, losfahren. Das Bordbuch, beziehungsweise die Bedienungsanleitung darf unter der Sitzbank bleiben - gut so.
 

Langgezogene Kurven mag die GSX 1250 FA - enge Kurven eher nicht so...

Fazit - was bleibt hängen

Die Suzuki GSX 1250 FA ist ein Allrounder im besten Wortsinn. Sie lässt sich sportlich fahren, ist reisetauglich und macht auf Landstraße und Autobahn richtig Spaß. Sie ist aufgrund des Gewichts, der hohen Leistung sowie der Fahrwerks-Charakteristik sicherlich kein Bike für Fahranfänger. Auch kleine oder zierliche Personen sollten sich besser nach einem anderen Motorrad umsehen. 

Aufgrund der aus heutiger Sicht technisch eher einfachen Ausstattung und einer guten Fertigungsqualität zählt die GSX 1250 FA sicherlich zu den zuverlässigeren Bikes. Es kann kaum etwas kaputt gehen und alle Bandits hatten schon immer den Ruf, unkompliziert jahrelang ohne Reparaturen ihren Dienst zu tun. Sie eignet sich deshalb hervorragend als Arbeitstier für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Wer sich eine gebrauchte GSX 1250 FA kaufen möchte, muss vor größeren Laufleistungen nicht zurückschrecken. Die Maschinen dieses Typs gelten als unkaputtbar.

Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre

  • Preis: 8.990 €
  • Gebraucht (3 Jahre alt): 6.000€
  • Baujahre: 2010-2016
  • Testbike: 11/2016
  • Farben: schwarz, weiß, grau, blau, rot
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Pro & Kontra

  • bäriger Motor mit kräftigem Drehmoment
  • reisetaugliche Sitzposition
  • satte Straßenlage, guter Windschutz
  • zuverlässiges Bike ohne Reparaturanfälligkeiten
  • viel Motorrad für wenig Geld
  • etwas schwerfällig in engen Kurven
  • für Fahranfänger ungeeignet
Von unserem Team geprüft:

Allgemein

Typ
Sporttourer
UVP
8.990 €

Abmessungen

Länge
2.130 mm
Höhe
1.245 mm
Gewicht
257 kg
zul. Gesamtgewicht
475 kg
Sitzhöhe
805 mm
Radstand
1.485 mm

Fahrleistungen & Reichweite

0 auf 100
3,5 s
60 auf 100
5 s
Tankinhalt
19 l
Verbrauch
5,5 l
Reichweite
345 km
Höchstgeschw.
230 km/h

Motor & Kraftübertragung

Motorbauart
Reihen-Vierzylinder
Zylinderzahl
4
Kühlung
flüssig
Hubraum
1.255 ccm
Bohrung
79 mm
Hub
64 mm
Leistung
98 PS
7.500 U/Min
Drehmoment
108 NM
3.700 U/Min
Ganganzahl
6
Antrieb
Kette

Fahrwerk & Bremsen

Rahmen
Doppelschleife
Doppelschleifen-Rohrrahmen Stahl
Federung vorn
Telegabel 43 mm
Federweg:
130 mm
Federbein hinten
Zentralfederbein
Federweg:
136 mm
Aufhängung hinten
Zweiarmschwinge
Bremsen vorne
Doppelscheibe
310 mm
Reifen vorne
ZR
Bremsen hinten
Scheibe
240
Reifen hinten
ZR

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