Benelli Leoncino 500

Benelli Leoncino 500 im Test (Baujahr 2022)

Was kann das 48 PS Retro-Nakedbike im Italo-Design?

Benelli Leoncino 500 im TestFotos: motorradtest.de

Die Benelli Leoncino 500 ist ein A2-Bike im Retro-Scrambler Design. Von dieser Art Motorräder gibt es nicht viele und schon gar nicht für unter 6.000 Euro. Wir haben das in Italien designte und in China gefertigte Bike unter die Räder genommen und schildern in diesem Testbericht unsere Eindrücke.

So steht sie da

Benelli ist eine alt-ehrwürdige Marke und steht für italienische Motorradbau-Kunst. Man denke nur an die 6-zylindrige "Benelli Sei 750" oder an die Benelli Tornado. Okay, das ist lange her, aber die Marke Benelli gibt es immer noch. Mittlerweile gehört diese zum chinesischen Geely-Konzern, die z.B. auch Volvos herstellen. Das aktuelle Programm umfasst 12 Modelle. Die hier getestete Leoncino 500 ist ein NakedBike mit Scrambler- und Retro-Elementen. Sie wurde vom "CentroStile Benelli" in Italien designt und kostet 5.899 Euro (ohne Überführung).

Das Bike ist 2,16m lang, hat einen Radstand von 1,46m und eine Sitzhöhe von moderaten 810mm. Damit kommen auch kleinere Piloten problemlos klar, sowohl im Stand bzw. beim Rangieren als auch beim Kurven-Wedeln. Unsere Sitzprobe zeigt: Tester Dietmar (1,84m groß) fühlt sich nicht verloren. Der Lenker ist schön breit und hoch, so dass sich eine angenehm aufrechte Sitzposition ergibt. Die Sitzbank ist straff, aber nicht unbequem und selbst der Beifahrer findet genug Platz. Das ist natürlich alles nicht so üppig wie auf einer Reise-Enduro, aber für ein Naked-Bike tatsächlich völlig okay.

Abmessungen Benelli Leoncino 500
CockpitLicht vorneLicht hinten

Das soll sie können

Technisch gesehen ist die Leoncino 500 eher dürftig ausgestattet. Es gibt keine technischen Helfer, außer ABS natürlich. Man kann das aber auch als Vorteil sehen: Nichts lenkt ab, die Bedienung ist kinderleicht und man hat die Maschine sofort "durchschaut". Und ehrlich gesagt sind Assistenz-Systeme wie Traktionskontrolle, Wheelie-Control, Fahrmodi etc. bei einer Maschine mit 48 PS auch nicht wirklich notwendig, oder? Es gibt stattdessen einen Bordcomputer, Gang-, Benzin- und Temperaturanzeige sowie Drehzahlmesser, Uhrzeit und Geschwindigkeit - also alles, was wirklich wichtig ist auf einem gut ablesbaren LC-Display.

Licht-technisch kommt die Maschine allerdings modern daher. Es gibt Voll-LED inkl. der Blinker und gerade der kreisrunde Frontscheinwerfer gefällt uns gut. Die Maschine besitzt einen 12,7 Liter Tank, der eine Reichweite von etwa 300 km ermöglicht. Das 6-Gang Getriebe schaltet sich leicht und exakt. Der Kupplungshebel der Seilzug-Kupplung ist zwar nicht einstellbar, dafür aber schön leichtgängig. Der Bremshebel ist in der Reichweite einstellbar. Der Sound der Benelli Leoncino 500 ist typische "500er Reihe". Man wird damit keinen hinter dem Ofen hervorlocken, es ist eher ein zurückhaltender, fröhlicher Sound, der da aus dem Leo Vince Schalldämpfer unserer Testmaschine herausbrabbelt.

Tank und Motor

So fährt sie sich

Was einem bei Fahrtantritt sofort auffällt, ist die Leichtigkeit, mit der sich die Benelli dirigieren lässt. Sie fühlt sich leichter an, als die 207 kg, die im Datenblatt stehen. Und auch die Wendigkeit fühlt sich noch quirliger an, als es der Radstand von 1,46m vermuten lässt. Gerade im dichten Stadtverkehr von Hamburg macht das Fahren damit richtig Spaß!
 
Natürlich ziehen einen die 48 PS des Bikes nicht die Arme lang, aber dennoch ist man flott unterwegs und lässt an der Ampel alle Autos stehen, wenn man denn will. Motor und Getriebe sind eher unauffällig, soll heißen: Typisch für eine Reihentwin dieser Leistungsklasse. Man kann sportlich fahren, muss den Motor dafür aber ein wenig drehen. Das Drehmoment von 46 Nm liegt bei 6.000 Umdrehungen an, also auch untenraus muss man sich als Besitzer nicht schämen. 
Benelli Leoncino 500 in SilberFoto: Benelli
Die Benelli Leoncino 500 hat vorne 320er Doppelscheiben mit radial verschraubten 4-Kolben Festsätteln. Üblich bei diesem Gewicht und in dieser Preisliga sind eher Einzelscheiben, auch hier macht die Leo also eine gute Figur. Die Bremsen packen zu, wenn man selbst zupackt. Sie sind nicht ganz so feinfühlig dosierbar und weniger giftig als - sagen wir mal - Brembo-Stylemas, aber das wäre ja auch zu schön gewesen. Jedenfalls ist die Bremswirkung okay, wenn man ankern muss.

Bemerkenswert ist die fette 50mm (!) USD-Gabel vorne. Sie ist sogar in der Zugstufe einstellbar. Auf dem vorderen Kotflügel sitzt der typische Benelli-Löwe. Naja, das sieht ein bisschen nach aufgeklebter Lego-Figur aus, gehört zur Benelli Folklore aber einfach dazu. Also nicht abmachen! Hinten gibt es ein direkt angelengtes Zentralfederbein. Auch hier ist die Zugstufe einstellbar und auch die Federbasis kann man über ein praktisches Einstellrad hydraulisch einstellen. Nix Haken - so soll es sein. Die Federung war bei unserem Testbike vorne sehr komfortabel und hinten etwas ruppig. Das würden wir etwas weniger hart einstellen, aber das ist Geschmackssache. 

Zum Schluss noch ein wenig Kritik: Der Gasgriff hat recht viel Spiel, und ab 6.000 Umdrehungen gibt es spürbare Vibrationen. Okay, und der Sound hat uns auch nicht so gut gefallen, aber das hatten wir ja schon. Und das war es dann eigentlich auch schon an kritischen Bemerkungen. Die Verarbeitung ist bei der Benelli okay. Vielleicht nicht ganz so ausgefeilt wie bei einer Honda CB 500 F, aber trotzdem völlig in Ordnung.

Fazit - was bleibt hängen

Die Benelli Leoncino 500 hat so ziemlich genau unsere Erwartungen erfüllt. Sie ist wendig und macht im Stadtverkehr genau deshalb richtig viel Spaß. Das Wartungsintervall ist mit 7.000 km zwar etwas knapp bemessen, aber einmal im Jahr sollte man sein Bike ja sowieso checken lassen.
 
Der Preis für die Maschine geht in Ordnung. Als Wettbewerber fällt uns einzig die Brixton Crossfire 500 ein, die etwas teurer ist. Die Honda CB 500 F hat zwar keine Retro-Anleihen, muss als 500er Klassiker (gefühlt seit den Siebzigern) und als extrem zuverlässiges Bike hier ebenfalls genannt werden, zumal sie auch nicht teurer ist als die Benelli.
 
Das Testbike wurde uns zur Verfügung gestellt von Legenday Cycles in Hamburg. Dort steht die Benelli Leoncino 500 als Vorführer und wartet sehnsüchtig auf weitere Probefahrer. Wer ein A2-Bike sucht, auf Style steht und Bock auf Retro-Naked-Scrambler Design hat: Anchecken.

Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre

  • Preis: 5.899 €
  • Gebraucht (3 Jahre alt): 4.500€
  • Baujahre: 2018-2022
  • Verfügbarkeit: ab 2018
  • Farben: rot, knallgelb
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Pro & Kontra

  • wendiges und wuseliges Bike
  • einfache Bedienung
  • angenehm aufrechte Sitzposition
  • Bedienungsanleitung braucht man nicht
  • startet nur im Leerlauf
  • Sound könnte besser sein
  • Sitzbank etwas straff
Von unserem Team geprüft:

Allgemein

Typ
Naked
UVP
5.899 €

Abmessungen

Länge
2.160 mm
Höhe
1.160 mm
Gewicht
207 kg
zul. Gesamtgewicht
397 kg
Sitzhöhe
810 mm
Radstand
1.460 mm

Fahrleistungen & Reichweite

Tankinhalt
12,7 l
Verbrauch
4,2 l
Reichweite
302 km

Motor & Kraftübertragung

Motorbauart
R2-Zylinder, 4 Ventile/ Zylinder, 4-Takt
Zylinderzahl
2
Kühlung
flüssig
Hubraum
500 ccm
Bohrung
69 mm
Hub
66,8 mm
Leistung
47,6 PS
Drehmoment
46 NM
Ganganzahl
6
Antrieb
Kette

Fahrwerk & Bremsen

Rahmen
Gitterrohrrahmen
Federung vorn
einstellbare Upside Down Gabel Ø 50mm
Federweg:
125 mm
Federbein hinten
einstellbares Zentralfederbein
Federweg:
128 mm
Aufhängung hinten
Doppelrohr-Profil-Schwinge
Bremsen vorne
2 schwimmend gelagerte Bremsscheiben mit 4 Kolben-Radialbremszangen und ABS
320 mm
Reifen vorne
120/70 - 17
Bremsen hinten
Einzelscheibe
260
Reifen hinten
160/60 - 17
ABS
ABS