








Husqvarna Svartpilen 401 im Test
Der A2-Scrambler mit feschem Design und bemerkenswert guter Ausstattung
Fotos: Motorradtest.de
Der schwarze Pfeil ist erwachsen geworden – aber zum Glück nicht langweilig
Unter der schwedisch inspirierten Hülle steckt eine umfassend erneuerte A2-Maschine mit 398,6-Kubik-Einzylinder, 45 PS, modernem Elektronikpaket und einem Fahrwerk, das deutlich mehr kann als nur Kopfsteinpflaster vor dem Lieblingscafé. Die entscheidende Frage lautet also: Ist die neue Svartpilen nur schicker Stadtverkehr – oder ein richtig gutes Motorrad für jeden Tag?
Design: eigenständig, dunkel und ziemlich cool
„Svartpilen“ bedeutet schwarzer Pfeil, und der Name passt weiterhin erstaunlich gut. Die 2024er-Ausgabe wirkt allerdings kräftiger und erwachsener als ihre zierliche Vorgängerin. Tank, Sitzbank und Heck nehmen mehr Raum ein, ohne dass die Maschine ihre minimalistische Grundidee verliert. Der kleine Windschild, der Motorschutz und der Gepäckträger auf dem Tank liefern den gewünschten Abenteuer-Look. Praktisch ist vor allem, dass dieser Auftritt nicht nach aufgeklebtem Retro-Kostüm aussieht.
Die Linien sind modern, kantig und sauber miteinander verzahnt. Dazu kommen LED-Leuchten rundum und ein prägnanter Leuchtring vorne. Die Verarbeitung macht einen ordentlichen Eindruck; Kabel, Schläuche und Halterungen sind überwiegend sauber verstaut. Wer glänzendes Chrom und klassische Rundinstrumente sucht, ist hier falsch. Wer dagegen ein Motorrad möchte, das zwischen all den üblichen Naked Bikes sofort erkennbar bleibt, dürfte beim ersten Rundgang bereits leicht grinsen.
Farbauswahl: Gibt es nicht. Es gibt nur diese eine, wenn auch schicke Lackierung.
Aufsteigen, losrollen, wohlfühlen
Die Sitzhöhe ist gegenüber der alten Generation auf 820 Millimeter gesunken. Zusammen mit der schmalen Taille macht das die Svartpilen angenehm zugänglich. Auch weniger langbeinige Menschen bekommen beim Rangieren schnell Vertrauen, während größere Fahrer nicht mehr ganz so stark das Gefühl haben, auf einem zu klein geratenen Spielzeug zu sitzen. Der breite Lenker liegt locker in der Hand, der Oberkörper bleibt aufrecht und der Kniewinkel geht für diese Fahrzeugklasse in Ordnung.
Man sitzt aktiv genug für eine schnelle Kurvenrunde, aber entspannt genug für den Weg zur Arbeit. Die durchgehende Sitzbank bietet mehr Bewegungsfreiheit als früher; nach mehreren Stunden erinnert die kompakte Polsterung dennoch daran, dass wir hier nicht auf einem Tourendampfer unterwegs sind. Positiv: Der 13-Liter-Tank ist deutlich alltagstauglicher als zuvor und vergrößert den Aktionsradius spürbar.
So sitzt es sich auf der Husky.
Elektronik: viel Ausstattung fürs A2-Regal
Das fünf Zoll große TFT-Display liefert Geschwindigkeit, Drehzahl, Tankstand, Gang und Fahrinformationen farbig und gut ablesbar. Die Menüführung ist nach kurzer Eingewöhnung logisch, und die Lenkerarmaturen lassen sich auch mit Handschuhen vernünftig bedienen. Smartphone-Konnektivität erweitert das Paket um Funktionen wie Medien-, Anruf- und Navigationshinweise. Muss man das auf einer puristischen Einzylinder-Husky haben? Nicht unbedingt. Aber im täglichen Einsatz ist es angenehm, wenn modernes Design nicht beim Scheinwerfer endet.
Die Husky besitzt Schräglagensensorik mit Kurven-ABS mit Supermoto-Modus (ABS hinten aus) und 3-fach einstellbarer Traktionskontrolle. Dazu das einstellbare Fahrwerk, der gut funktionierender QuickShifter mit Blipper, zwei Fahrmodi (Street und Rain), hintergrundbeleuchtete Schalter und eine Wegfahrsperre. Da müssen sich die Konkurrenten schon sehr warm anziehen...
Motor: ein Zylinder, ordentlich Charakter
Der neue flüssigkeitsgekühlte Einzylinder bringt es auf 398,6 Kubikzentimeter, 45 PS bei 8.500 Touren und 39 Newtonmeter bei 7.000 Touren. Auf dem Papier klingt das vernünftig, auf der Straße erfreulich lebendig. Unten herum ist der Motor kein bulliger Traktor. Wer bei niedriger Drehzahl im hohen Gang am Gas zieht, bekommt eher ein leichtes Ruckeln als spontanen Vortrieb. Ab der Mitte wacht der Eintopf aber sauber auf, dreht willig und schiebt die leichte Husky mit genügend Nachdruck aus der Kurve. Gerade zwischen Stadt, Landstraße und enger Serpentine fühlt sich die Leistung passend dosiert an: schnell genug für breites Grinsen, aber nicht so brutal, dass jeder Gasstoß zum Charaktertest wird. Vibrationen bleiben für einen Einzylinder erstaunlich zivilisiert. Akustisch mischen sich kerniges Ansauggeräusch, mechanisches Klackern und ein frecher Auspuffton – kein Orchester, aber definitiv mehr Persönlichkeit als ein Haushaltsgerät.
Das Sechsganggetriebe passt gut zu diesem munteren Wesen. Der serienmäßige Quickshifter erlaubt Hoch- und Herunterschalten ohne Kupplung und funktioniert besonders dann richtig schön, wenn man etwas Zug auf der Kette hat und den Motor nicht im Drehzahlkeller quält. Bei sehr gemütlicher Fahrt können die Wechsel gelegentlich etwas bestimmt wirken, doch sobald Tempo im Spiel ist, klickt es erfreulich direkt durch die Gänge. Die Anti-Hopping-Kupplung hält hektisches Herunterschalten in Schach. Kurz gesagt: Die Svartpilen will nicht untertourig durch die Gegend gebummelt werden. Sie möchte geschaltet, gedreht und ein bisschen beschäftigt werden – und genau das macht sie sympathisch.
Motor der Husky: Einzylinder mit 45 PS und 39 Nm Drehmoment
Handling: leichtfüßig, aber nicht nervös
Mit 159 Kilogramm Trockengewicht gehört die 401 weiterhin zu den handlichen Vertretern ihrer Klasse, auch wenn sie gegenüber ihrer Vorgängerin zugelegt hat. Der um rund zehn Millimeter längere Radstand bringt etwas mehr Ruhe ins Motorrad, ohne die spielerische Seite abzuwürgen. Ein kurzer Impuls am breiten Lenker genügt, und die Husky fällt bereitwillig in die Kurve. Linie korrigieren? Kein Drama. Enger Kreisverkehr? Macht Laune. Schnelle Wechselkurven? Genau ihr Revier. Dabei wirkt sie weniger hibbelig als früher und vermittelt auch bei höherem Tempo ein erwachseneres Gefühl.
Vorne arbeitet eine einstellbare 43-Millimeter-WP-APEX-Upside-down-Gabel, hinten ein ebenfalls anpassbares WP-Federbein. Je 150 Millimeter Federweg sind für ein Straßennaked ziemlich großzügig. Schlechte Asphaltkanten, abgesackte Kanaldeckel und wellige Nebenstraßen verlieren dadurch viel von ihrem Schrecken. Die Abstimmung trifft einen gelungenen Kompromiss: komfortabel genug für den Alltag, kontrolliert genug für ehrgeizige Kurven. Die Pirelli Scorpion Rally STR auf 17-Zoll-Speichenrädern sehen nach Fernreise aus, funktionieren aber vor allem auf Asphalt erstaunlich gut. Ein fester Schotterweg ist kein Problem, doch die Svartpilen bleibt im Kern ein Straßenmotorrad. Wer damit echtes Gelände stürmen will, verwechselt lässige Wanderschuhe mit Motocross-Stiefeln.
Bremse der Husky: 320er Einzelscheibe mit 4-Kolben Festsattel von Bybre
Bremsen
Die einzelne 320-Millimeter-Scheibe vorn mit radial montiertem Vierkolbensattel verzögert zuverlässig, verlangt aber nach einem klaren Griff. Der Druckpunkt wirkt nicht so knackig wie bei manchen sportlicheren Rivalinnen. Das ist für Einsteiger gut kontrollierbar, engagierte Fahrer wünschen sich jedoch etwas mehr Biss und Rückmeldung. Hinten arbeitet eine 240-Millimeter-Scheibe. Hilfreich sind das schräglagenabhängige ABS und die Traktionskontrolle. Für lockeren Untergrund gibt es einen Supermoto-ABS-Modus, der Eingriffe am Hinterrad reduziert beziehungsweise abschaltet. Solche Helfer waren in dieser Hubraumklasse vor wenigen Jahren noch Luxus.
Im Alltag: Stadtfreund mit Wochenendtalent
In der Stadt spielt die Svartpilen ihre Stärken besonders locker aus. Sie ist schmal, wendig und bietet dank aufrechter Sitzposition einen guten Überblick. Der Lenkeinschlag erleichtert das Rangieren, die Kupplung geht angenehm leicht, und der Motor hat genug Schwung, um sich schnell in Lücken einzufädeln. Der angegebene Verbrauch liegt bei rund 3,4 Litern auf 100 Kilometer. In Verbindung mit 13 Litern Tankvolumen sind Etappen deutlich entspannter planbar als beim Vorgängermodell; in der Praxis hängt die Reichweite natürlich stark davon ab, wie oft man den Einzylinder bis oben ausquetscht.
Sehr ergonomische Schalter und intuitive Bedienung
Auf der Landstraße passt das Gesamtpaket fast perfekt. Auf der Autobahn dagegen wird klar, dass 45 PS und kaum Windschutz keine Einladung zur Dauerhetze sind. Richtgeschwindigkeit ist machbar, Überholreserven bei hohem Tempo sind jedoch überschaubar, und der Fahrtwind arbeitet kräftig am Oberkörper. Ein Sozius findet Platz und einen Haltegriff, aber die zweite Reihe taugt eher für die Eisdiele als für den Alpenurlaub. Gepäck lässt sich dank Tankträger kreativ befestigen, trotzdem bleibt die 401 eher ein minimalistischer Begleiter als ein Lastesel.
Technische Daten auf einen Blick
- Motor: flüssigkeitsgekühlter Einzylinder, 398,6 cm³, Euro 5+
- Leistung: 45 PS bei 8.500 U/min
- Drehmoment: 39 Nm bei 7.000 U/min
- Getriebe: sechs Gänge, Quickshifter hoch und runter
- Fahrwerk: WP APEX, 150 mm Federweg vorn und hinten, einstellbar
- Bremsen: 320-mm-Scheibe vorn, 240-mm-Scheibe hinten, Kurven-ABS
- Sitzhöhe: 820 mm
- Gewicht: 159 kg trocken
- Tank: 13 Liter
- Führerschein: A2-tauglich
Was richtig gut ist – und was nicht so gut ist
Die größte Stärke der Svartpilen ist ihre Mischung. Sie sieht besonders aus, fährt unkompliziert und fühlt sich trotzdem nicht steril an. Motor, Quickshifter und agiles Chassis liefern echten Unterhaltungswert. Das einstellbare Fahrwerk, die umfangreiche Elektronik, das TFT und die gesunkene Sitzhöhe zeigen, dass Husqvarna beim Modellwechsel nicht nur neue Verkleidungsteile angeschraubt hat. Außerdem ist die Maschine groß genug geworden, um für deutlich mehr Körpergrößen zu funktionieren.
Ganz ohne Macken kommt der schwarze Pfeil trotzdem nicht davon. Die Vorderradbremse dürfte direkter zupacken, bei niedrigen Drehzahlen kann der Antrieb ruppig wirken, und auf langen Autobahnetappen fehlen Leistung, Windschutz und Gelassenheit. Auch das zusätzliche Gewicht gegenüber der Vorgängerin spürt man beim Lesen des Datenblatts stärker als beim Fahren. Puristen könnten außerdem finden, dass die neue Generation ein wenig von der radikalen Zierlichkeit des alten Modells verloren hat. Dafür ist sie objektiv vielseitiger und zugänglicher geworden.
Für wen passt die Svartpilen 401?
Wer mit A2-Führerschein ein leichtes, charakterstarkes Alltagsmotorrad sucht und keine Lust auf optische Massenware hat, sollte die Svartpilen unbedingt probefahren. Sie passt zu Pendlern, Stadtfahrern und Landstraßenfans, die lieber Kurven sammeln als Höchstgeschwindigkeiten vergleichen. Gegenüber der technisch eng verwandten KTM 390 Duke setzt sie auf einen ruhigeren, eigenständigeren Auftritt und eine leicht scramblerige Note. Eine Triumph Scrambler 400 X wirkt klassischer und etwas abenteuerlustiger, während typische Zweizylinder-Konkurrenten oft seidiger laufen und auf schnellen Strecken souveräner sind. Die Husky kontert mit geringem Gewicht, reichlich Ausstattung und diesem schwer messbaren Faktor namens Charakter.
Fazit
Die Husqvarna Svartpilen 401 Modell 2024 ist kein Motorrad für Menschen, die alles ausschließlich nach Hubraum und Stammtischwerten sortieren. Sie ist ein kompakter Spaßmacher mit auffälligem Stil, sinnvoller Technik und überraschend erwachsenem Fahrverhalten. In der Stadt ist sie herrlich unkompliziert, auf kurvigen Landstraßen richtig unterhaltsam und auf schlechten Nebenwegen komfortabler, als ihr Design vermuten lässt.
Der neue Motor braucht Drehzahl, bedankt sich dann aber mit lebendigem Vortrieb, während Quickshifter und agiles Fahrwerk den Spieltrieb füttern. Kleine Schwächen bei Bremse, Langstreckenkomfort und Durchzug ändern wenig am starken Gesamtbild. Der schwarze Pfeil hat 2024 an Substanz gewonnen, ohne seinen frechen Kern zu verlieren. Wer ein A2-Bike mit Persönlichkeit statt bloßer Vernunft sucht, findet hier einen ziemlich lässigen Treffer.
Tja, da ist dann wohl mal eine Probefahrt angesagt, oder? Am besten bei Heller & Soltau in St. Michaelisdonn, die haben uns auch das Testbike zur Verfügung gestellt. Heller & Soltau verkauft aber nicht nur Motorräder von Husqvarna, sondern ist auch noch Kawasaki Vertragshändler. Auf gehts nach Dithmarschen!
Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre
- Preis: 5.699 €
- Gebraucht (3 Jahre alt): 3.500 €
- Baujahre: 2017 - heute
- Farben: Grau


























