Ducati Hyperstrada 939

Test: Ducati Hyperstrada 939 (Baujahr 2016)

Die will nicht nur spielen

imageDie Ducati Hyperstrada 939 ist ein Sonderling: Einerseits basiert sie auf der extrem wendigen Hypermotard, andererseits soll sie tourentauglich sein. Wie funktioniert das in der Praxis?

Das Motorrad

Das extrem filigrane Design ist geblieben, deshalb wird die Hyperstrada leicht mit ihrer Schwester, der Hypermotard verwechselt. Kein Wunder: Die Änderungen zum Basismodell sind gering. Ein etwas höherer Lenker, das kleine Windschild, eine geringere Sitzhöhe (passende 81 Zentimeter) sowie natürlich die Aufnahmen für die beiden Koffer sind fast die einzigen Änderungen. Zwischen 2013 und 2017 stand sie beim Händler, anfangs für 12.590 Euro. Damit war sie 1090 Euro teurer als die Hypermotard.
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Das soll das Funbike können

Die Technik der Hyperstrada blieb ansonsten weitgehend unangetastet, der hochgelobte Testastretta-Motor wurde beispielsweise 1:1 von der Hypermotard übernommen. Geblieben ist auch die extrem sportliche Auslegung. Ducati hatte seine eigene Interpretation der Modelle aus der Supermoto-Rennserie immer schon nah an den tatsächlichen Rennmaschinen gehalten. Bei dieser Rennserie wird auf einer Strecke gefahren, bei der die Fahrer neben rund 70% Asphalt auch eine Schotterpiste (30%) erwartet. Um hier siegen zu können, braucht es ein extrem wendiges Bike, das zudem einen brachialen Motor vorweisen muss - voila, Auftritt der Ducati.

Da das Leben nicht nur aus Rennstrecken besteht, kam Ducati auf die Idee, ein touristischer ausgelegtes Modell zu bauen. Ohne die typischen Gene der Hypermotard zu verwässern, sollte die Hyperstrada den Spagat schaffen: Nicht nur über die Alpenpässe zu glühen, sondern der Fahrer sollte abends im Hotel mehr als einen Satz Unterwäsche zum Wechseln aus dem Rucksack ziehen können. Deshalb verfügt die Hyperstrada serienmäßig über zwei Koffer mit je 25 Litern Fassungsvermögen - dazu später mehr.

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So fährt sich die Ducati Hyperstrada

Das Wichtigste vorweg: Auch als Tourer hat die Ducati Hyperstrada nichts von ihrer extremen Wendigkeit verloren. Sogar mit vollgepackten Koffern fegt sie wie kaum ein zweites Motorrad auf dem Markt um Kehren. Dazu bei trägt auch die Sitzposition: Der Fahrer sitzt extrem weit vorne, die Ellenbogen hoch, den Kopf nach vorn. Angriffslustig bis ins Mark, dazu passt der Motor nahezu perfekt. Konstantfahrruckeln sowie eine gewisse Schläfrigkeit unter 3000 Touren sind jedem Ducati-Fahrer bekannt und gelten weithin als Ducati-Folklore (auch wenn's nervt).
Auch das Gegenmittel: Gas geben, und zwar voll. Sofort stürmt die Duc mit ihren 110 PS durch das Drehzahlband, ab etwa 6000 Umdrehungen wirds brutal. Kurve voraus? Bremsen? Gelingt wunderbar, wenn die hintere Brembo-Bremse denn mitspielt (siehe Fazit). Sowohl vorn wie hinten kraftvoll und gut dosierbar zubeißend, baut die Duc Tempo ab. Die nur 210 Kilo vollgetankt merkt man auch hier.

Das Fahrverhalten ist dabei mit dem Begriff "kurvenfreundlich" nur unzureichend beschrieben. Die Duc giert danach, es ist eine Freude, wie sie punktgenau reinsticht, jederzeit kontrolliert herausbeschleunigt und plötzlich auch Kurven sehr schnell gehen, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Wenn man auf den Pässen nicht zu den Schnellsten gehört - am Motorrad liegt's nicht ...

Mit einer Einschränkung: Der Fahrer sollte bei dieser Auslegung jederzeit wissen, was er tut. Besonders in engen Kurvenradien neigt die Hyperstrada dazu, mit dem Vorderrad zur Kurveninnenseite zu kippen. Hier muss entschlossen gegengesteuert werden. 

Und der Fahrkomfort, was bei einer tourentauglichen Maschine, auch einer Ducati, wichtig ist? Sagen wir es mal so, von vorn bis hinten: gut, mittel, dürftig. In der Langversion: Die nicht einstellbare Vordergabel ist nicht nur präzise, sondern fängt auch Stöße gekonnt ab. Die Sitzbank ist für den Fahrer einen Tick zu kurz und nur mittelmäßig gepolstert. Hart wirds hinten: Obwohl einstellbar, lässt das Sachs-Federbein kurze Stöße zum Fahrer-Gebein sogar in der weichsten Einstellung durch.

Fazit - gelingt der Kompromiss?

Ja. Tatsächlich gelingt der Kompromiss, aus einem der wendigsten Motorräder überhaupt ein tourentaugliches Motorrad zu schaffen, ohne dessen Kernkompetenzen einzuschränken. Der zweite Teil des Satzes ist allerdings der weitaus wichtigere, denn die Hyperstrada ist keinesfalls mit einem Tourer zu verwechseln. Trotz Scheibe ist der Windschutz stark eingeschränkt, die Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h reine Theorie. Kann man mal machen, aber nach kurzer Zeit pendelt sich die ideale Reisegeschwindigkeit bei 130 km/h ein. Der Weg ist hier nicht das Ziel, sondern die einigermaßen gut überstandene Prüfung bis zum nächsten Gebirgspass.
Die Hyperstrada ist ein alltagstaugliches Funbike, mit dem man auch länger von zuhause wegbleiben kann und einen Mordsspaß geliefert bekommt. 
Sie ist eine Ducati durch und durch. Positiv bedeutet das, dass die Ducati umso besser funktioniert, je schneller es voran geht. Aber eben vor allem dann. Wer ein Motorrad für die gemütliche Runde zwischendurch sucht, sollte beim freundlichen Händler einer anderen Marke vorstellig werden.
Negativ bedeuten die Bürde und Würde, eine echte Ducati zu sein, offensichtlich eine nur unterdurchschnittlich zu nennende Verarbeitungsqualität und manch unverständliche Entscheidungen. So sind die Koffer nicht wasserdicht. Ducati weiß das, und legt zwei wasserdichte Beutel bei, was zwar funktioniert, aber eben ein Gefummel ist.
Seit 2012 gehört Ducati den Qualitätsfanatikern von Audi. Liebe Audianer: Wollt ihr nicht mal kurz nach Italien fahren? Ist schön da, und nebenbei könntet Ihr dafür sorgen, dass Schrauben nach zwei Jahren (!) nicht rosten, der Kunststoff am Heck sowie das Display (siehe Bildergalerie) nicht ausgeblichen sind sowie langsam stumpf werden. Die hintere Bremse mag aus unerfindlichen Gründen nicht dauerhaft funktionieren - alle zwei Monate heißt es auf zum Händler, der dann wieder entlüften muss.

Danke. Würde mir sehr helfen.

Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre

  • Für ein vier Jahre altes Modell zahlt man etwa 8500 Euro.
  • Verfügbarkeit: ab 2013 bis 2017. Die Duc ist ein seltenes Modell - deutschlandweit stehen selten mehr als 20 zum Verkauf.
  • Farben: rot, weiß, rot-weiß, schwarz
open
close

Pro & Kontra

  • Extrem wendig
  • Sportlicher Motor
  • Exklusiv
  • Verarbeitung
  • Autobahntauglichkeit
Von unserem Team geprüft:

Allgemein

Typ
Supermoto

Abmessungen

Länge
2.100 mm
Höhe
860 mm
Gewicht
201 kg
Sitzhöhe
810 mm
Radstand
1.485 mm

Fahrleistungen & Reichweite

0 auf 100
3,5 s
Tankinhalt
16 l
Verbrauch
5,2 l
Reichweite
307 km
Höchstgeschw.
220 km/h

Motor & Kraftübertragung

Motorbauart
V
Zylinderzahl
2
Kühlung
flüssig
Hubraum
937 ccm
Bohrung
94 mm
Hub
67,5 mm
Leistung
110 PS
9.000 U/Min
Drehmoment
95 NM
7.500 U/Min
Ganganzahl
6
Antrieb
Kette

Fahrwerk & Bremsen

Rahmen
Gitterrohr
Stahl
Federung vorn
43mm Upside-Down-Gabel
Federweg:
130 mm
Federbein hinten
Monofederbein
Federweg:
130 mm
Aufhängung hinten
Einarmschwinge
Bremsen vorne
Doppelscheibe
320 mm
Reifen vorne
Pirelli Scorpion Trail, 120/70 ZR17
Bremsen hinten
Scheibe
245
Reifen hinten
Pirelli Scorpion Trail, 180/55 ZR17
ABS
ABS

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