Biker sind häufig selbst am Unfall schuld

Schutzkleidung und Airbags helfen nur begrenzt

UDV Studie zu Unfällen mit MotorrädernDer UDV-Verband (Unfallforscher der Versicherer) hat die Ursachen von Unfällen mit Motorrädern untersucht und dabei auch die Schutzwirkung von spezieller Biker-Kleidung unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse dürften vielen Bikern nicht gefallen: Hauptursache von Motorrad-Unfällen sind demnach die Biker selbst - und seltener die Autofahrer, die die Biker übersehen.
 
Bei Unfällen geben Motorradfahrer gerne den Autofahrern die Schuld, die die Biker angeblich ignorieren oder zumindest schnell übersehen. Eine Studie des UDV kommt nun zu einem anderen Ergebnis. Zwei Drittel aller getöteten Biker hätten den Unfall selbst verursacht. Hauptursachen: Zu wenig Abstand, unvorsichtiges Verhalten beim Überholen (Gegenverkehr) und generell unangemessene Geschwindigkeit. "Hauptunfallgegner sind nicht Autos, sondern Motorradfahrer" sagt hierzu Siegfried Brockmann, Leiter des UDV.

Für die Studie wurden mehr als 2.000 Unfälle mit Motorrädern ausgewertet. "15 Prozent aller schweren Unfälle waren bei Gruppenfahrten. Das ist unterdurchschnittlich. (..) Die Bilder von Motorradrennen, bei denen die Fahrer nach schweren Stürzen und Rutschpartien aufstehen und weiterfahren, sind fatal. Auf Landstraßen gibt es keine Auslaufzonen." so Brockmann zur Studie. In 2018 starben 619 Biker. Damit sind Biker 21mal mehr in tödliche Unfälle verwickelt als Autofahrer. In 2011 kamen noch 708 Biker ums Leben, in 2016 waren es 536.
Spezielle Schutzkleidung und die neuerdings populärer werdenden Airbags können nach der Studie des UDV nur bedingt helfen. Bereits bei Aufprällen ab 25 km/h könnte normale Schutzkleidung nicht mehr wirksam helfen. Airbags helfen demnach auch nur bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h. "Wir müssen klar sagen, dass keine praktikable Schutzkleidung in der Lage ist, bei einem Aufprall mit üblicher Landstraßengeschwindigkeit eine tödliche Verletzung zu verhindern", sagt Brockmann.

Warum Motorradfahrer so häufig in Unfälle verwickelt sind erklären Unfallpsychologen häufig mit der Selbstüberschätzung der fahrerischen Fähigkeiten. Im Bestseller "Die obere Hälfte des Motorrads" gibt Autor Bernd Spiegel einleuchtende Beispiele von Selbstüberschätzung und vergleicht den Biker mit Hunden. Beide würden konkrete Ziele ohne Abwägung der Risiken erreichen wollen. Der Hund läuft über eine Planke, um die Wurst zu erreichen und fällt dadurch ins Wasser und der Biker fährt eine Kurve ohne Einsicht viel zu schnell, um die schöne Schräglage genießen zu können. Er nimmt dabei in Kauf, dass die Straße evtl. von einem Trecker oder LKW blockiert werden könne.
 
B. Spiegel stellt dazu die provokante Frage, ob der Mensch nicht sogar dümmer als der Hund sei, weil er wenigstens in der Lage gewesen wäre, die Risiken der schnellen Einfahrt in die nicht einsehbare Kurve absehen zu können. Leider würden Biker häufig glauben, auch solche Situationen durch ihr fahrerisches Können beherrschen zu können - was leider allzu häufig eben nicht der Fall ist und mit dem Tod endet.
 
motorradtest.de meint dazu: Okay, ganz freisprechen möchten wir unaufmerksame Autofahrer bei Unfällen nicht, aber es stimmt wohl schon: Oft sind wir es selbst, die sich durch unangemessene Fahrweise in Gefahr bringen - und andere Verkehrsteilnehmer gleich mit. Also: Auch wenn das "Andrücken" immer wieder Spaß macht, langsam um die Kurve fahren geht auch und schont zugleich die Nerven.
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