Benda Chinchilla 350 CVT Neo im Test

Bobber 350 ccm V2 mit CVT-Automatik-Getriebe. Was ist das denn bitte???

M anchmal steht ein Motorrad vor einem und man denkt erst mal: Moment, was genau will dieses Ding eigentlich sein? Genau so ging es mir bei der Benda Chinchilla 350 CVT Neo. Auf den ersten Blick macht sie ganz klar auf kleinen Cruiser: niedrige Sitzhöhe, langer Radstand, entspannte Linien, runder Scheinwerfer, dicker V2-Look und insgesamt dieser leicht lässige „Ich rolle einfach mal entspannt durch die Gegend“-Auftritt.

Doch dann kommt der Clou: Dieses Motorrad hat kein klassisches Schaltgetriebe. Keine Kupplung. Kein Schalthebel. Stattdessen steckt hier ein CVT drin, also eine stufenlose Automatik, wie man sie eher aus Rollern kennt. Und genau das macht die Chinchilla so spannend, aber auch ein bisschen speziell.

Benda Chinchilla 350 CVT Neo Test

Der erste Eindruck: lässig, niedrig, erstaunlich erwachsen

Optisch hält sich die Neo-Version angenehm zurück. Sie schreit nicht nach Aufmerksamkeit, sondern steht eher cool in der Ecke und lässt dich selbst herausfinden, was an ihr anders ist. Die Proportionen passen: vorne ein markanter Reifen, hinten ein kurzes Heck, dazu der klassische Cruiser-Sitz und eine Silhouette, die flach und kompakt wirkt. Wer einen riesigen Chrom-Bomber erwartet, ist hier falsch. Die Chinchilla ist eher der urbane Mini-Cruiser mit moderner Technik, aber eben nicht steril. Sie sieht nach Motorrad aus, nicht nach Designübung. Das ist schon mal ein Pluspunkt.

Die Verarbeitung macht auf den ersten Blick einen ordentlichen Eindruck. Natürlich merkt man, dass Benda preislich nicht in der Premium-Liga spielt, aber die Maschine wirkt nicht billig. Schweißnähte, Lack, Anbauteile und Cockpit gehen für diese Klasse absolut klar. Besonders sympathisch ist, dass Benda der Chinchilla keine pseudo-aggressive Maske verpasst hat. Sie bleibt ein Cruiser, nur eben einer mit einem ziemlich ungewöhnlichen technischen Konzept.

Technik: V2 trifft Variomatik

Im Herzen der Benda arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter V2 mit 343 Kubikzentimetern. Die offiziellen Daten nennen 25 kW beziehungsweise rund 34 PS bei 8.700 Umdrehungen und 31 Nm Drehmoment bei 6.500 Umdrehungen. Das klingt nicht nach Abrissbirne, passt aber perfekt in die A2-Welt. Dazu kommen Bosch-ABS, Traktionskontrolle, LED-Licht, ein 16-Liter-Tank, eine niedrige Sitzhöhe von etwa 690 Millimetern und ein fahrfertiges Gewicht um 195 Kilogramm. Die spannendste Zahl steht aber gar nicht im Mittelpunkt, denn wichtiger als Leistung oder Drehmoment ist hier das Getriebe: CVT, stufenlos, riemengetrieben, einfach Gas geben und los.

Und genau da beginnt der große Aha-Moment. Wer Motorradfahren mit Kuppeln, Schalten und Zwischengas verbindet, muss sich kurz umgewöhnen. Du drehst am Gasgriff, die Chinchilla sortiert den Rest selbst. Keine Gangwechsel, kein Rucken, kein Verschalten, kein Anfahren mit zu viel oder zu wenig Kupplung. Gerade in der Stadt ist das herrlich unkompliziert. Ampel grün, Handgelenk drehen, fertig. Für Einsteiger ist das extrem zugänglich, für erfahrene Fahrer erst einmal ungewohnt, aber nach ein paar Kilometern ziemlich entspannt.

Benda Chinchilla 350 CVT Neo Test

Fahren in der Stadt: hier fühlt sie sich zu Hause

In der Stadt spielt die Chinchilla ihre Karten richtig gut aus. Die niedrige Sitzhöhe gibt sofort Vertrauen, auch wenn man nicht gerade Basketballmaße hat. Beide Füße kommen leicht auf den Boden, Rangieren geht entspannt, und die Automatik nimmt dem Stop-and-go-Verkehr den Stress. Wer täglich durch Berufsverkehr, Kreisverkehre, Baustellen und zähe Innenstädte rollt, wird schnell merken: Dieses Konzept ist nicht nur ein Gag, sondern wirklich praktisch.

Die Bremsbedienung erinnert ebenfalls an Rollerlogik: Die Hinterradbremse sitzt als Hebel links am Lenker, statt über ein Fußpedal bedient zu werden. Auch das ist zunächst kurios, funktioniert aber im Alltag schnell intuitiv. Nach ein paar Kreuzungen denkt man nicht mehr darüber nach. Im Gegenteil: Wer von einem Roller kommt oder einfach möglichst stressfrei Motorrad fahren möchte, findet sich hier fast sofort zurecht. Die Chinchilla nimmt Hürden raus, ohne dabei völlig charakterlos zu wirken.

Landstraße: entspannt statt aggressiv

Auf der Landstraße kommt dann die Frage: Kann so ein Automatik-Cruiser auch Spaß machen? Die kurze Antwort: ja, aber anders als ein klassisches Naked Bike oder ein sportlicher A2-Renner. Die Benda will nicht gehetzt werden. Sie mag saubere Linien, lockeres Rollen und mittlere Tempi. Wer sie mit Schwung fährt, bekommt ein angenehm unkompliziertes Erlebnis. Der V2 liefert genug Druck, um aus Ortschaften sauber herauszubeschleunigen, und das CVT hält den Motor in einem brauchbaren Arbeitsbereich. Es gibt kein dramatisches Hochdrehen durch die Gänge, sondern eher einen durchgehenden Schub. Das fühlt sich glatt an, fast schon ein bisschen elektrisch, nur eben mit Verbrennergeräusch.

Das Fahrwerk bleibt dabei auf der soliden Seite. Kein Zauberteppich, aber auch keine Katastrophe. Kleine Unebenheiten steckt die Benda ordentlich weg, bei harten Kanten merkt man ihr Cruiser-Konzept und den eher kurzen Federweg hinten. Die Bremsen sind ausreichend kräftig und gut dosierbar. Supersportliche Verzögerungsorgien passen ohnehin nicht zum Charakter der Maschine. Sie bremst sauber, stabil und berechenbar – und genau das erwartet man in dieser Klasse.

Benda Chinchilla 350 CVT Neo Test

Motor und Sound: cool, aber nicht ohne Eigenheiten

Der V2 ist natürlich ein wichtiger Teil der Show. Viele Cruiser leben vom Gefühl, vom Pulsieren, vom kleinen mechanischen Theater. Bei der Chinchilla ist das etwas anders, weil das CVT die Drehzahl oft relativ konstant hält. Dadurch fehlt ein Teil dieses klassischen „Gang rein, Drehzahl fällt, wieder Druck“-Gefühls. Der Motor klingt nicht schlecht, aber er erzählt seine Geschichte eben anders. Statt rhythmischem Hochschalten gibt es einen gleichmäßigen Klangteppich. In der Stadt wirkt das unaufgeregt und angenehm, auf längeren Strecken kann es etwas monoton werden.

Trotzdem ist die Chinchilla nicht langweilig. Vor allem beim Anfahren und beim Herausbeschleunigen hat sie genug Persönlichkeit. Das Ansauggeräusch wirkt kernig, die Gasannahme ist freundlich, und die Maschine fühlt sich insgesamt lebendiger an, als man es bei einem Automatik-Cruiser erwarten würde. Man muss nur akzeptieren, dass die Emotion nicht über Schaltarbeit kommt, sondern über das lockere, beinahe spielerische Rollen.

Benda Chinchilla 350

Ergonomie und Komfort: niedrig, bequem, zugänglich

Die Sitzposition ist cruiser-typisch entspannt. Man sitzt niedrig im Motorrad, die Arme fallen locker zum Lenker, die Beine sind leicht nach vorn orientiert, aber nicht übertrieben gestreckt. Das ist wichtig, denn manche kleine Cruiser wirken auf Dauer wie Möbelstücke mit Rädern: hübsch, aber ergonomisch irgendwie seltsam. Die Chinchilla macht das besser. Auch kleinere Fahrerinnen und Fahrer sollten sich schnell wohlfühlen, größere Menschen könnten auf längeren Strecken etwas mehr Platz vermissen.

Der Sattel ist bequem genug für Feierabendrunden, Pendelstrecken und Wochenendtouren. Für sehr lange Autobahnetappen ist die Benda weniger gemacht. Erstens fehlt der Windschutz, zweitens wird der gleichmäßige CVT-Sound bei konstantem Tempo auf Dauer nicht jedem gefallen. Aber mal ehrlich: Wer kauft einen 350er Cruiser, um stundenlang mit Vollgas über die Autobahn zu pflügen? Genau. Die Chinchilla ist ein Motorrad für schöne Umwege, nicht für stumpfes Kilometerfressen.

Benda Chinchilla 350 CVT Neo Test

Alltag: einfach draufsetzen und machen

Im Alltag ist die Bedienung der große Trumpf. Die Chinchilla baut keine unnötige Distanz zwischen Mensch und Maschine auf. Du musst nicht überlegen, welcher Gang gerade passt, du musst an der Ampel nicht mit der Kupplung jonglieren und du kannst dich stärker auf Verkehr, Linie und Umgebung konzentrieren. Das macht sie vor allem für Wiedereinsteiger und Neulinge attraktiv. Aber auch erfahrene Fahrer könnten den Komfort zu schätzen wissen, wenn sie mal keine Lust auf Schaltarbeit haben.

Praktisch ist auch der 16-Liter-Tank. Bei einem angegebenen Verbrauch um 4,5 Liter auf 100 Kilometer sollte eine ordentliche Reichweite drin sein. Dazu kommen moderne Basics wie LED-Beleuchtung und USB-Anschluss. Das Cockpit fällt eher schlicht aus, liefert aber die wichtigsten Infos. Wer riesige TFT-Menüs, Smartphone-Spielereien und ein halbes Entertainment-System erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Wer einfach fahren will, bekommt genau das.

Stärken und Schwächen

Die größte Stärke der Benda Chinchilla 350 CVT Neo ist ganz klar ihre Zugänglichkeit. Sie nimmt dem Motorradfahren einen Teil der Komplexität, ohne daraus ein reines Zweckfahrzeug zu machen. Das Design ist sympathisch, die Sitzhöhe niedrig, der Motor ausreichend kräftig und die Sicherheitsausstattung mit ABS und Traktionskontrolle ordentlich. Dazu kommt der besondere Reiz, dass sie sich anders fährt als fast alles, was man in dieser Klasse kennt.

Die Schwächen liegen genau dort, wo auch das Konzept seine Grenzen hat. Wer Schalten liebt, wird etwas vermissen. Wer einen brabbelnden, emotional hochdramatischen Mini-Harley-Moment sucht, bekommt stattdessen ein sehr gleichmäßiges Fahrerlebnis. Auch sportliche Ambitionen sind nicht ihr Ding. Die Chinchilla will nicht angreifen, sondern entspannt begleiten. Und ja, mit knapp 195 Kilogramm ist sie kein Federgewicht. Dank der niedrigen Bauweise fällt das im Stand aber weniger störend auf, als die Zahl vermuten lässt.

Benda Chinchilla 350 CVT

Preis und Einordnung

Preislich bewegt sich die Benda Chinchilla 350 CVT Neo je nach Markt und Anbieter grob im Bereich um 6.500 bis 6.800 Euro. Damit ist sie kein Billigst-Angebot, aber angesichts des ungewöhnlichen CVT-Konzepts, des V2-Motors und der Ausstattung durchaus interessant positioniert. Sie konkurriert nicht direkt mit klassischen 300er- oder 400er-Naked-Bikes, sondern sucht sich eine eigene Ecke: kleiner Cruiser, einfache Bedienung, moderner Zugang. Genau darin liegt ihr Reiz.

Fazit: anders, aber auf eine gute Art

Die Benda Chinchilla 350 CVT Neo ist kein Motorrad für Traditionalisten, die jeden Gangwechsel zelebrieren und beim Wort Automatik sofort die Nase rümpfen. Sie ist eher ein Bike für Menschen, die Motorradfahren entspannter, zugänglicher und unkomplizierter erleben wollen. Und genau darin ist sie richtig gut. Sie sieht cool aus, fährt sich leicht, nimmt den Stress aus der Stadt und bietet genug Charakter, um nicht als reiner Roller im Cruiser-Kostüm durchzugehen.

Natürlich muss man das CVT mögen. Es verändert das Fahrerlebnis deutlich. Aber wenn man sich darauf einlässt, versteht man schnell, warum dieses Konzept Sinn ergibt. Die Chinchilla ist lässig, bequem und angenehm unverkopft. Kein Motorrad für die Rennstrecke, kein Bike für große Posen, sondern ein entspannter Begleiter für Stadt, Landstraße und den kleinen Ausbruch nach Feierabend. Kurz gesagt: Die Benda Chinchilla 350 CVT Neo ist ein Cruiser mit Roller-Seele – und genau das macht sie interessanter, als man zunächst denkt.

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