








Harley Davidson Tri Glide Ultra im Test
Das Harley Trike für Autofahrer im Test
Fotos: Motorradtest.de
Harley-Davidson Tri Glide Ultra 2025 im Test: Der dicke Dreirad-Cruiser für die ganz große Runde
Es gibt Motorräder, die wollen schnell sein. Andere wollen leicht sein. Und dann gibt es die Harley-Davidson Tri Glide Ultra 2025. Die rollt nicht einfach auf den Parkplatz, sie nimmt ihn ein wie ein breitschultriger Road Captain mit Sonnenbrille, Lederweste und dem festen Plan, heute noch ein paar hundert Kilometer Asphalt zu inhalieren.
Das hier ist kein Bike für Leute, die jedes Gramm zählen oder am Sonntagmorgen die Ideallinie im Kreisverkehr suchen. Die Tri Glide Ultra ist ein ausgewachsenes Touring-Trike, gebaut für lange Tage im Sattel, volle Koffer, entspanntes Gleiten und diesen ganz eigenen Harley-Moment, bei dem man den Motor nicht nur hört, sondern im Brustkorb mitbekommt.
Farbauswahl: Vier Farben und zwei Finishes
Erster Eindruck: groß, breit, selbstbewusst
Schon beim ersten Drumherumgehen ist klar: Understatement wohnt woanders. Die Tri Glide Ultra steht massiv da, mit Batwing-Verkleidung, hohem Windschild, breitem Heck, Tour-Pak und Kofferraum. Sie ist eher Reisemobil auf drei Rädern als klassisches Motorrad. Und genau das ist ihr Ding. Wer sich auf sie setzt, bekommt nicht dieses „Ich zähme jetzt ein leichtfüßiges Zweirad“-Gefühl, sondern eher: „Okay, wir starten jetzt eine Expedition.“ Die Sitzposition ist typisch Harley-Tourer: aufrecht, breit, bequem, mit Trittbrettern statt nervöser Fußrasten. Man sitzt tief genug, um nicht überfordert zu werden, aber hoch genug, um den Verkehr locker im Blick zu behalten.
Optisch hat Harley-Davidson für 2025 noch einmal nachgeschärft. Je nach Ausführung gibt es klassisches Chrom oder dunkle Finishes, dazu Lackierungen, die je nach Licht ziemlich edel wirken. Besonders die Factory-Custom-Variante Mystic Shift passt gut zum Charakter des Trikes: ein bisschen Show muss sein, sonst könnte man ja gleich etwas Vernünftiges fahren. Die Räder wirken modern, die Front ist wuchtig, und das Heck vermittelt sofort: Hier passen nicht nur Zahnbürste und Regenkombi rein, sondern halber Hausstand, Wochenendgepäck und wahrscheinlich noch ein Souvenir-Bison aus South Dakota.
So sitzt es sich zu zweit auf der Tri Glide - gemütlicher geht es kaum.
Motor: Milwaukee-Eight 114 mit ordentlich Druck von unten
Im Herzen arbeitet der Twin-Cooled Milwaukee-Eight 114 V-Twin mit 1.868 Kubikzentimetern Hubraum. Auf dem Papier stehen rund 93 PS und etwa 163 Newtonmeter Drehmoment an. Klingt nicht nach Supersportler? Soll es auch nicht. Diese Maschine lebt vom Schub aus dem Keller. Bereits knapp über Standgas drückt der Motor die schwere Fuhre souverän vorwärts, ohne Theater, ohne hektisches Hochschreien. Man rollt an, legt den nächsten Gang nach, und die Harley macht dieses tiefe, entspannte „Alles gut, ich hab das“-Ding.
Der Sechsgang-Cruise-Drive-Antrieb passt dazu wie Boots zum Lederkombi-Look. Die Gänge flutschen nicht japanisch-seidig, sondern eher mechanisch-satt. Man spürt, dass hier große Zahnräder und viel Masse miteinander arbeiten. Das ist kein Fehler, das ist Teil der Show. Auf Landstraße und Autobahn reicht oft ein entspannter Griff ans Gas, um Überholvorgänge einzuleiten. Natürlich muss man bei einem fahrfertigen Gewicht von rund 561 Kilogramm keine Wunder erwarten. Die Tri Glide Ultra springt nicht nach vorn wie ein nervöser Roadster, sie schiebt wie ein schwerer Zug, der einmal Fahrt aufgenommen hat. Ruhig, stabil, unbeeindruckt.
Motor: Milwaukee Eight V2 mit 157 Nm Drehmoment!
Fahrgefühl: drei Räder, andere Regeln
Wer von einem normalen Motorrad kommt, muss sich umgewöhnen. Ein Trike legt sich nicht in die Kurve. Es wird gelenkt. Das klingt banal, fühlt sich auf den ersten Kilometern aber komplett anders an. In schnellen Wechselkurven merkt man die Breite und das Gewicht deutlich. Man zieht nicht elegant mit Hüftschwung durch, sondern arbeitet bewusst mit Lenkerdruck und Körpereinsatz. Nach kurzer Eingewöhnung wird daraus aber kein Problem, sondern ein eigener Rhythmus. Die Tri Glide Ultra will nicht geprügelt werden. Sie möchte sauber geführt werden. Dann liegt sie stabil, vermittelt viel Vertrauen und macht gerade auf breiten Landstraßen richtig Laune.
Besonders angenehm ist die Ruhe bei niedrigen Geschwindigkeiten. Kein Balancieren, kein Fuß runter, kein nerviges Rangieren mit Gepäck und Sozia oder Sozius. Ampel? Einfach stehen. Stau? Locker bleiben. Parkplatz? Mit elektrischer Rückwärtsfunktion deutlich entspannter als man bei diesem Brocken erwarten würde. Genau hier spielt das Trike seinen großen Trumpf aus: Es nimmt viel Stress aus Situationen, in denen ein schwerer Zweirad-Tourer schon mal Schweißperlen produziert. Wer körperlich nicht mehr ganz so viel Lust auf das Jonglieren mit 400 Kilogramm Zweirad hat, findet hier eine ziemlich überzeugende Alternative.
Komfort: Wohnzimmer mit V-Twin
Auf langen Strecken zeigt die Tri Glide Ultra, warum sie überhaupt existiert. Der Sitz ist breit und bequem, die Rückenlehne für den Passagier macht ernst, und die Verkleidung nimmt ordentlich Winddruck vom Körper. Die Batwing-Fairing mit Lüftungsöffnungen und das hohe Windschild sorgen dafür, dass man nicht nach zwei Stunden aussieht wie frisch aus dem Trockner gezogen. Auch der Wetterschutz ist für Motorradverhältnisse stark. Beine und Oberkörper liegen gut im Schutz, und bei kühlem Wetter wirkt die ganze Maschine eher wie ein gemütlicher Cruiser-Kokon als wie ein nacktes Spaßgerät.
Die Federung ist komfortorientiert, aber nicht frei von Grenzen. Auf sauberem Asphalt gleitet das Trike souverän und schwerelos dahin. Bei kurzen, harten Schlägen merkt man hinten jedoch, dass zwei Räder eine andere Sprache sprechen als ein einzelnes Motorradheck. Querfugen und Schlaglöcher werden nicht komplett weggezaubert. Trotzdem bleibt das Gesamtbild klar: Diese Harley will Strecke machen. 300 Kilometer am Tag wirken nicht wie eine Mutprobe, sondern eher wie der Anfang eines guten Wochenendes. Der große Tank mit rund 22,7 Litern und ein praxisnaher Verbrauch um die 5,6 Liter auf 100 Kilometer sorgen zudem für ordentliche Reichweite.
Ein Cokpit wie im Auto - und zwar in einem US-Muscle-Car!
Technik und Ausstattung: nicht retro, sondern reisefertig
Auch wenn die Tri Glide Ultra optisch gerne mit klassischer Harley-DNA spielt, steckt ziemlich viel moderne Touring-Technik drin. Das 6,5-Zoll-Farbdisplay mit Touch-Funktion, Infotainment, Audioanlage, Navigation und Smartphone-Anbindung macht lange Etappen deutlich angenehmer. Die Bedienung ist nicht so minimalistisch wie bei manchem modernen Motorrad-Cockpit, aber sie passt zum Charakter: groß, direkt, robust. Die Lautsprecher liefern genug Druck, um auch bei höherem Tempo noch Musik oder Ansagen mitzubekommen, ohne dass man jeden Song erraten muss.
Bei den Assistenzsystemen ist die Tri Glide Ultra ebenfalls gut gerüstet. ABS, kombinierte Bremsen, Traktionskontrolle und kurvenoptimierte Systeme helfen, die Masse sicher im Griff zu behalten. Gerade beim Trike ist das sinnvoll, weil die Fahrdynamik anders funktioniert als beim Motorrad. Man merkt zwar nie, dass der Computer einem ständig ins Lenkrad quatscht, aber im Hintergrund ist die Technik beruhigend präsent. Die Bremsen packen solide zu und lassen sich gut dosieren. Wunder darf man bei dieser Gewichtsklasse nicht erwarten, aber die Anlage wirkt der Aufgabe gewachsen.
Kofferraum und Topcase - alles kann, nichts muss.
Stauraum und Alltag: mehr Kofferraum als manche Wochenendbeziehung
Ein echtes Highlight ist der Stauraum. Harley gibt rund 6,8 Kubikfuß Gepäckvolumen an, also ungefähr 193 Liter. Das verteilt sich auf den abschließbaren Kofferraum und den King Tour-Pak. Für die große Tour ist das Gold wert. Regenzeug, Werkzeug, Wechselklamotten, Helme, Mitbringsel, Snacks, Kamera, Ladegeräte: rein damit. Wer schon einmal versucht hat, auf einem normalen Cruiser für zwei Personen clever zu packen, weiß, wie befreiend so viel Platz sein kann. Die Tri Glide Ultra ist damit nicht nur ein Fahrzeug, sondern fast schon ein rollender Reiseplan.
Im Alltag bleibt sie trotzdem ein spezielles Gerät. In der Stadt braucht man Platz, beim Abbiegen etwas Gefühl und beim Parken einen klaren Kopf. Engstellen, schmale Garagen und deutsche Altstadtgassen sind nicht ihr Lieblingsrevier. Auch der Preis sortiert die Sache ziemlich deutlich ein: In den USA startet die 2025er Tri Glide Ultra bei rund 37.999 US-Dollar, in Europa liegt sie je nach Markt, Steuern und Ausstattung deutlich höher. Das ist kein spontaner Vernunftkauf, sondern eine bewusste Entscheidung für ein sehr besonderes Reisefahrzeug. Man kauft hier nicht nur Mobilität, sondern ein Lebensgefühl mit Kofferraum.
Was nervt?
Ganz ehrlich: Die Tri Glide Ultra ist nicht perfekt. Sie ist schwer, breit und verlangt beim sportlicheren Fahren mehr Arbeit als ein Zweirad. Wer Kurvenräubern hinterherjagen will, ist hier falsch. Auch der Verbrauch bleibt zwar für das Gewicht okay, aber Sparfüchse werden trotzdem nicht feucht vor Freude. Dazu kommen Harley-typische Kosten für Zubehör, Wartung und Individualisierung. Und ja, bei Hitze, Stop-and-go und niedrigen Geschwindigkeiten spürt man trotz Twin-Cooling, dass da ein großer V-Twin zwischen den Beinen werkelt. Das gehört irgendwie dazu, kann aber im Hochsommer schon mal nach Sauna mit Auspuffnote schmecken.
Auch emotional muss man wissen, worauf man sich einlässt. Ein Trike ist kein normales Motorrad mit Stützrädern, sondern eine eigene Kategorie. Manche Biker werden die Nase rümpfen, andere werden neugierig drumherum schleichen und Fragen stellen. Wer sich davon verunsichern lässt, hat mit Harley aber ohnehin das falsche Hobby gewählt. Die Tri Glide Ultra ist selbstbewusst genug, um keine Entschuldigung zu brauchen. Sie sagt nicht: „Ich wäre gern ein Motorrad.“ Sie sagt: „Ich bin das Sofa, das euch bis ans Meer bringt.“
Fazit: maximale Entspannung auf drei Rädern
Die Harley-Davidson Tri Glide Ultra 2025 ist kein Motorrad für jeden. Sie ist zu groß, zu teuer und zu speziell, um als Allrounder durchzugehen. Aber genau darin liegt ihr Charme. Wer lange Strecken liebt, gerne zu zweit reist, viel Stauraum braucht und den typischen Harley-Vibe nicht nur als Klangkulisse, sondern als Lebensstil versteht, bekommt hier ein unfassbar entspanntes Touring-Gerät. Sie fährt nicht messerscharf, sondern majestätisch. Sie beschleunigt nicht explosiv, sondern souverän. Sie ist nicht leichtfüßig, sondern stabil. Kurz gesagt: Die Tri Glide Ultra ist der Roadtrip auf drei Rädern.
Nach diesem Test bleibt vor allem ein Eindruck hängen: Dieses Trike macht am meisten Sinn, wenn man aufhört, es mit normalen Motorrädern zu vergleichen. Es ist ein eigener Kosmos. Ein bisschen Luxusliner, ein bisschen Muscle-Cruiser, ein bisschen amerikanischer Traum mit Rückwärtsgang. Wer nur kurz zum Bäcker fahren will, kauft sich besser etwas Handlicheres. Wer aber die große Tour plant, morgens den Kram einlädt, die Lieblingsplaylist startet und einfach losrollt, der wird auf der Tri Glide Ultra ziemlich schnell verstehen, warum Harley dieses Ding baut. Sie ist nicht die schnellste, nicht die günstigste und sicher nicht die dezenteste Wahl. Aber sie ist verdammt lässig. Und manchmal ist genau das der Punkt.
Die Testmaschine wurde uns netterweise von Harley-Davidson Kiel zur Verfügung gestellt. Dort wartet die TriGlide Ultra und natürlich viele andere Harley Vorführer auf Probefahrer. Harley Kiel liegt verkehrsgünstig an der Autobahn und man kann vom Händler mehr oder weniger sofort auf Landstraßen das Bike seiner Wahl auf den Zahn fühlen.








































