Royal Enfield Meteor 350

Royal Enfield Meteor 350 im Test (Baujahr 2021)

RE Meteor 350: Easy-Cruiser für 3.999 Euro zum Entschleunigen und Spaß haben

Royal Enfield Meteor 350 im TestFotos: motorradtest.de

Die Royal Enfield Meteor 350 sieht aus wie ein Motorrad aus den 70zigern, ist aber tatsächlich eine völlig neu entwickelte Maschine. Sie kostet ab 3.999 € und gehört zu den günstigsten Bikes überhaupt. Was die Meteor 350 kann und was sie nicht kann erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Die muss man einfach mögen

Da steht sie, die neue Meteor 350. Sie ist in gewisser Weise die Nachfolgerin der bisherigen 1-Zylinder 500er von Royal Enfield. Allerdings hat RE sie auf "Easy cruising" getrimmt. Markus' erste Assoziation beim Test war dann auch seine Suzuki GS 40 X aus den Siebzigern. Die Meteor kommt in drei Varianten und sieben Farben. "Fireball" nennt sich die Grundausstattung, diese gibt es in gelb und rot. Bei der "Stellar" gibt es eine Sissibar und einen verchromten Auspuff on top und in der Version "Supernova" ist dann noch ein Windschild dabei. Letztere ist mit 4.399 € immer noch ziemlich günstig, allerdings würden wir uns für die knallgelbe Fireball ohne Zubehör entscheiden. Verzicht ist nämlich das Credo der Royal Enfield Meteor 350...
Farben

Schön ist sie also schon mal, die Meteor, aber wie sitzt es sich auf ihr? Sie Sitzhöhe liegt bei lässigen 765 mm, das passt also für Jedermann und Jederfrau. Die Fußrasten sind etwas nach vorne versetzt, das ergibt auch für größere Piloten einen geschmeidigen Kniewinkel. Die Maschine gehört mit einem Radstand von 1,40 m zu den kleineren Bikes, trotzdem ist die Sitzposition für den Sozius nicht schlechter als auf so manchem Nakedbike. Es gibt sogar Haltegriffe, es kann also problemlos zu zweit gecruist werden - besonders gut natürlich mit der Sissibar.
HalogenlampeCockpitMeteor 350

Das soll sie können

Der Blick auf das Cockpit erwärmt das Herz gleich noch einmal. Sieht aus wie ein VW Käfer mit dem analogen Tacho. Es gibt einen kleinen Bordcomputer mit Tageskilometerzähler, eine Ganganzeige, eine Benzinfüllanzeige und die üblichen Kontrollleuchten. Drehzahlmesser: Wozu? Traktionskontrolle oder Fahrmodi: Nix. Schräglagensensorik und QuickShifter: Haha! 

Aber: Es gibt doch tatsächlich ein separates Instrument für die integrierte Turn by Turn Navigation - und die funktioniert richtig gut. Einfach RE App auf dem Smartphone installieren, Bike per Bluetooth koppeln und Ziel eingeben. Schwuppdiwupp wird per verschiedenfarbigem Pfeil angezeigt, wann ich wo abbiegen muss. Wer erwartet so ein Feature bei so einem Preis?! Wir jedenfalls nicht und sind angenehm überrascht.

Die wenigen Bedienelemente sind genau wie der Tankdeckel aus etwas billig wirkendem Plastik, aber das wird schon halten. Die Bedienung der Meteor 350 ist aufgrund fehlende Features jedenfalls supereinfach. Nichts lenkt vom Motorrad fahren ab und kaputt gehen kann hier auch nicht viel.

Motor 1-Zylinder 349 ccmFoto: motorradtest.de

So fährt sie sich

Dann drehen wir mal eine Runde. Anlasser nach links und schon schnurrt der Einzylinder vor sich hin. Der Sound ist schön eintopfig und nicht zu laut. Man merkt schon im Stand: Dieser Motor hat gute Manieren. Nichts schüttelt oder rüttelt und auch die Gasannahme passt. Damit kommt jeder auf Anhieb klar, wetten?
 
Ein zweites Gefühl stellt sich sofort und wie von selbst ein: Das entschleunigte, unaufgeregte Dahingleiten. "Easy Cruise" sagt Royal Enfield dazu und das passt wie die Faust aufs Auge: Man entspannt und freut sich über ein überaus problemloses Fahrverhalten. Die Maschine wirkt stabil, wendig und das Fahrwerk (Stahlrohrrahmen mit doppelten Unterzügen) gibt Vertrauen. Bloß die Schalterei ist zumindest für Dietmar anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Es gibt eine Schaltwippe, bei der man zum Hochschalten mit der Ferse nach hinten drücken und zum Runterschalten vorne drücken muss. Wie uns viele YouTube-Kommentare wissen lassen, ist das in Asien nicht ungewöhnlich, weil dort viele Leute mit normalen Schuhen (!) Motorrad fahren und diese dann nicht verschleissen. Aha. 
 
Royal Enfield Meteor 350 Foto: motorradtest.de
 
Und wie sieht es aus mit der Performance der Meteor 350? Nun ja, mit 20 PS und 27 Nm stellt man natürlich keine Rekorde auf, aber trotzdem sind wir überrascht, wie willig und zügig der kleine Motor hochdreht. Es geht also flott vorwärts, aber überfordern wird dieses Bike niemanden. Ab 100 km/h wird es dann auch anstrengend mit der Beschleunigung, bei ca. 120 km/h ist endgültig Schluss mit dem Vortrieb. Da überlegt man schon, ob der 80 km/h fahrende Laster vor einem wirklich überholt werden muss. Und wenn eine Sozia oder ein Sozius mitfährt, wird der einem schon auf die Schulter klopfen und ein klares "NEIN!" signalisieren.
 
Technisch funktioniert alles supi auf der Meteor: 5-Gang Getriebe, Einzelscheibe vorne und hinten, kaum Lastwechsel, keine Vibrationen, alles okay. Das Fahrwerk hat mit der immerhin 191 kg schweren Maschine auch kein Problem. Es ist eher weich abgestimmt und kann bis auf die Federbasis auch nicht verstellt werden. Die Abstimmung passt zum Konzept des Bikes, man ist überaus kommod unterwegs, ohne das es schwammig wäre.

Fazit - was bleibt hängen

Wie eingangs schon gesagt, dieses Motorrad muss man einfach mögen, selbst wenn schon eine 1290er SuperDuke in der Garage steht. Die Meteor 350 ist einfach ein sympathisches Bike, an das man keine besonderen Erwartungen hat. Sie ist günstig, solide gemacht, fährt sich einfach, lässig und sicher. Und irgendwie hat man das Gefühl, dass dieses Bike niemals kaputt gehen wird. Was sollte auch kaputt gehen, ist ja nichts dran!
 
Wir finden, dass die Meteor ein hervorragendes Bike ist - und zwar z.B. auch für ältere Personen, die nicht mehr ein 300 kg Gefährt durch die Gegend schleppen wollen und auch beim Auf- und Absitzen nicht mehr ganz so gelenk sind. Aber bitte nicht missverstehen: Es handelt sich nicht um ein Seniorenfahrzeug, die Meteor wird auch viele junge Freunde finden. Vielleicht und gerade auch wegen des Preises. Welches Bike über 125 ccm bekommt man neu heute noch für unter 4.000 Euro? Unsere Datenbank sagt: Genau drei.

Testbike von 2Radstadie/Pinneberg. Dort stehen alle aktuellen Royal Enfields als Vorführer. Besuch lohnt sich.

Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre

  • Preis: ab 4.000€
  • Verfügbarkeit: ab 07/2021
  • Farben: hellrot, dunkelrot, gelb, hellblau, schwarz, dunkelblau, braun
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waveform

Pro & Kontra

  • leicht und wendig
  • lässige Sitzposition
  • Leistung überschaubar, herrlich entschleunigend
  • sehr einfache Bedienung
  • eignet sich auch für kleinere und ältere Piloten
  • Schaltwippe gewöhnungsbedürftig
  • Bedienungselemente und Tankdeckel vom Material her etwas lieblos
  • Leistung überschaubar, nix für Raser
Von unserem Team geprüft:

Allgemein

Typ
Cruiser
UVP
3.999 €

Abmessungen

Länge
2.140 mm
Höhe
1.140 mm
Gewicht
191 kg
Sitzhöhe
765 mm
Radstand
1.400 mm

Fahrleistungen & Reichweite

Tankinhalt
15 l
Höchstgeschw.
120 km/h

Motor & Kraftübertragung

Motorbauart
Einzylinder 4-Takt
Zylinderzahl
1
Kühlung
luftgekühlt
Hubraum
349 ccm
Bohrung
72 mm
Hub
85,8 mm
Leistung
20,4 PS
Drehmoment
27 NM
Ganganzahl
5
Antrieb
Kette

Fahrwerk & Bremsen

Rahmen
Stahlrohrrahmen
Federung vorn
41er-Telegabel
Federweg:
130 mm
Federbein hinten
Stereo-Federbeine
Aufhängung hinten
Zweiarmschwinge
Bremsen vorne
Einzelscheibe, Bybre
300 mm
Reifen vorne
100/90 19 Zoll
Bremsen hinten
Einzelscheibe, Bybre
270
Reifen hinten
140/70 17 Zoll
ABS
ABS