BMW G 310 GS

Hersteller-Infos BMW

Motorräder aus Bayern seit 1923.

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Wer über die Hersteller von Motorrädern nachdenkt kommt gerade hierzulande an einer Marke nicht vorbei: BMW ist nicht nur der einzige Großserienhersteller hubraumstarker Motorräder in Deutschland sondern mit über einer halben Millionen zugelassener BMW-Motorräder (entspricht mehr als 12 Prozent) auf unseren Straßen auch nur schwer zu übersehen.

Und das ist schon seit einer ganzen Weile so, denn Motorräder werden bei BMW bereits seit 1923 hergestellt und damit sogar einige Jahre länger als Automobile, die erst 1928 ins Sortiment aufgenommen wurden. Angefangen hat aber alles mit der Gründung der Bayrischen Flugzeugwerke (BFW) im März 1916. Diese haben, wie der Name schon verrät, in erster Linie Flugmotoren hergestellt.


Der Vollständigkeit halber seien hier jedoch auch die beiden motorisierten Zweiräder „Flink“ und „Helios“ erwähnt, welche die Bayrischen Flugzeugwerke mit ihrem Einbaumotor M2B15 bauten. Dies allerdings mit mäßigem Erfolg. Erst 1918 wurde aus BFW dann BMW, die Bayrische Motorenwerke GmbH.

Die Erfolgsgeschichte wurde sozusagen von der Luft auf die Straße verlagert und damit sind wir nun auch schon im Jahr 1923: Die erste Maschine von BMW hörte auf den schlichten Namen R 32. Sie wurde angetrieben von einem längs eingebautem Zweizylinder-Boxer-Viertaktmotor mit SV-Ventilsteuerung und Kardanantrieb, typisch BMW eben und eine der zwei über Jahrzehnte erfolgreichen Baureihen von BMW.

BMW R32

Am 16. September 1923 trat BMW mit zwei dieser Maschinen übrigens beim ersten Hindelang-Oberjoch-Rennen an und belegte damit zwei erste Preise und erreichte sogar die beste Zeit des Tages.

Am 28. September 1923 wurde die R 32 dann auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Kostenpunkt laut BMW-Preisliste von 1925 waren 2200 Reichsmark, wobei Tacho, Hupe, Lichtanlage sowie der Soziussitz nicht im Preis enthalten waren. Die Produktion wurde 1926 eingestellt und es wurden bis dahin 3090 R32 hergestellt.

Aus heutiger Sicht vielleicht noch ganz interessant: Wir sprechen hier über 494 cm3, 8,5 PS bei 3299 min-1 und einer Höchstgeschwindigkeit von immerhin 95 km/h.

Die zweite nicht minder typische BMW-Bauform kam wenige Jahre danach mit der R 39 auf den Markt. Es handelte sich dabei um einen stehenden Einzelzylinder ebenfalls mit Kardanantrieb. Auch die R 39 feierte bereits im ersten Produktionsjahr sportliche Erfolge und gewann 1925 die Deutsche Straßenmeisterschaft des DMV in der 250-cm³-Klasse. 1926 gewann Rudolf Schleicher in England das 6-Tage Rennen. Und das nicht etwa auf einer für Rennen präparierten Maschine, sondern er saß im Sattel des Serienmodells einer R37. 

Die Rennerfolge führten dazu, dass BMW viel Energie in die Weiterentwicklung der Technik investierte. Man nutzte die Erfahrungen aus dem Rennsport und überarbeitete 1928 das Motorradprogramm gründlich. Das zahlte sich auch aus und die Absatzzahlen stiegen stetig. Somit erkannte die Chefetage, dass durchaus Platz für mehr als zwei Modelle war.

Die Bayrischen Motorenwerke blieben aber sich und ihrem typischen Stil immer recht treu. Ein luftgekühlter Seitenventiler in Boxeranordnung der quer im Rahmen sitzt, sowie der Kardanantrieb dafür steht BMW im Grunde bis heute. Dennoch gab es natürlich über die Jahrzehnte hinweg immer wieder wichtige technische Neuerungen und diverse Erfolge. Aber auch den ein oder anderen Rückschlag.

Den liebevollen Spitznamen „Gummikuh“ zum Beispiel verdiente man sich Mitte der fünfziger Jahre durch ein völlig neu entstandenes Fahrgefühl. Die Vollschwinge ersetzte die Geradwegfederung und der Kardanantrieb wurde so verändert, dass bei einem Lastwechsel nicht mehr nur querverlagert werden konnte sondern auch Heben und Senken möglich wurde.

Mitte der sechziger Jahre gewann dann das Auto als erschwingliches Fortbewegungsmittel immer mehr an Bedeutung. So wurde die Herstellung der kleineren Einzylinder eingestellt. BMW fertigte von nun an übrigens als einziger deutscher Hersteller weiterhin hubraumstarke Motorräder. Boxer und Kardan blieben der Motorradwelt also dankenswerter Weise erhalten.

Die Maschinen wurden größer und stärker mit der R 75/5 1969 und der R90 S 1973. Allerdings wurde diese Entwicklung auch bei Motoren aus Japan vorangetrieben, die in Sachen Leistung und Wartung bald führend waren.

BMW R75BMW R90S

Die R 80 G/S war nicht nur BMW´s Antwort auf den Enduro-Hype dieser Zeit (unvergessen sind hier z.B. Yamaha´s XT500 , Suzuki´s DR600 oder Honda´s XL500,…) sondern bediente auch ein äußerst breites Einsatzspektrum. G/S stand für Gelände & Straße und damit für ein Bike, das jeden Spaß mitmachen und zum Kurvenräubern wie zum Fernreisen gleichermaßen taugen sollte. Und obwohl die Entscheidung Mehrzylinder und Kardan auch im Gelände einzusetzen alleine optisch in meinen Augen nicht direkt auf der Hand liegt, gewinnt BMW mit der R80 G/S die nächste Rallye Paris Dakar.

Mit der K 100 kam 1983 eine völlig neue BMW auf den Markt. Ihr Gitterrahmen und der längs angeordnete, wassergekühlte Vierzylinder-Reihenmotor prägten diese neue Art BMW-Bikes.

Weitere Neuerungen waren zum Beispiel das ABS, das 1987 erstmals in der R 1200 C verbaut wurde oder die 1989 in der K 100 RSangewandte Vierventiltechnik. Auch ein geregelter KAT sowie das Paralever fehlten nun in der sportlichen Maschine nicht mehr.

1993 kam mit der R 1100 RS ein weiterer Boxer auf den Markt, bei dem das neue Telelever-System dafür sorgte, dass das Motorrad beim Bremsen nicht mehr einsank.

Auch neu: BMW bringt im selben Jahr die F650 raus, deren Motor weder von BMW entwickelt noch gebaut wurde. Vielmehr handelt es sich um einen Einzylinder aus dem Hause Rotax. Als Vorbild diente die Pegaso von Aprilia, die die F650 auch für BMW herstellten. Ein unter BMW-Fans nicht unumstrittenes Bike. Aber wenn Ihr mich fragt ein absolut gelungenes Motorrad. Meine F 650 ST hat mich über 15 Jahre begleitet und in all der Zeit nie auch nur den geringsten Ärger gemacht. Davon abgesehen ein für BWM-Verhältnisse äußerst erschwingliches Modell.

Für die meisten Motorradfahrer wohl nur eine Randnotiz, aber dennoch ein erwähnenswerter Ausreißer ist der C1 der im Jahr 2000 von BMW eingeführt wird. Eine ungewöhnliche Mischung aus Roller und Kleinwagen. Gut, man muss keinen Helm tragen – aber mal ehrlich: wer will sich schon auf dem Moped anschnallen?

Deshalb zurück zu den „echten“ Motorrädern: Die werden weiter großvolumiger und leistungsstärker. 2005 wird der Vierzylinder gedreht und in der K 1200 S nun quer verbaut. 2008 kommt eine F800 mit Parallel-Twin und Riemenantrieb – auch hier wieder ein Rotax Motor. Der Hersteller aus Österreich hat ja bereits bei der F 650 Qualität bewiesen. Im selben Jahr wird auch die G 450 X mit Kymco-Machine aus Taiwan eingeführt. Eine Sportenduro für die Offroader unter den Motorradfahrern.

Mit der S 100 RR bewegt sich BMW einen Schritt in Richtung der Konkurrenz aus Japan und verbaut neben dem quer liegenden Vierzylindermotor mit Ketten-Endantrieb eine Upside-down-Gabel.

Und es geht noch dicker: BMW liefert mit der K 1600 GT 2011 das erste serienmäßig in Deutschland produzierte Sechszylindermotorrad.

2012 wird die F650 von der G650 GS abgelöst. Und 2013 tut sich BMW mit der TVS Motor Company aus Indien zusammen um gemeinsam Bikes unter 500 cm3 zu entwickeln. Ein Ergebnis dieser Kooperation ist die BMW G 300.

Auch sehr präsent ist die BMW als Behördenfahrzeug. Aktuell bietet BMW die F 700 GS, F 800 GS, F 800 GT und R 1200 GS für diese Zwecke mit entsprechender Sonderausstattung an. In Deutschland hat wohl jeder kleine Junge, wenn er an ein Polizeimotorrad denkt, eine BWM vor Augen. Aber nicht nur hierzulande sondern auch in Italien, Österreich, Schweiz, Niederlande, Kroatien, Frankreich, Dänemark, Spanien, Polen, Algerien, USA, Ägypten, Russland, Großbritannien, Äthiopien, Thailand, Kuwait, Kosovo und der Republik China kommen BWW-Motorräder als Behördenfahrzeuge zum Einsatz.

Für alle die nicht dienstlich Motorradfahren dürfen gibt es von BMW die R-Reihe: (Zweizylinder-Boxermotoren / aktuell 1170 cm³ / luft-/ölgekühlt, ab 2013 wassergekühlt / Kardan) K-Reihe (Reihensechszylinder mit 1649 cm³ / wassergekühlt / Kardan), S-Reihe (Reihenvierzylinder mit 999 cm³ / Kette), F-Reihe (Zweizylinder-Viertaktmotor von Rotax mit 798 cm³ / wassergekühlt / Kette oder Riemen), G-Reihe (Einzylindermotor mit 313 cm³ / wassergekühlt / bis 35 KW / in Taiwan von Kymco gefertigt) und C-Reihe (Scooter). Nach dem Buchstaben für die Reihe folgt in der Bezeichnung die Hubraumgröße gefolgt vom Modellkürzel. Also handelt es sich bei einer R 1200 GS etwa um einen Zweizylinder-Boxermotoren luft-/ölgekühlt, ab 2013 wassergekühlt mit Kardanantrieb. Die Maschine hat 1170 cm³ und ist für Gelände & Straße ausgelegt.

Weitere Modellbezeichnungen neben GS (Gelände und Straße) sind RS (Reise und Sport), RT (Reise Tourer), LT (Luxus Tourer), GT (Grand Tourer), GTL (Grand Tourer Luxus), ST (Strada), CS (City Scarver), R (Roadster), RR (Road Race), S (Sport), XR (Cross Road), CS (Classic Sport). Eine genaue Auflistung mit Bildern und technischen Daten aller aktuellen BWW-Bikes findet Ihr in unserer Datenbank unter.

In Deutschland fertigt die BMW-Group die Motorräder im BMW-Werk Berlin und das schon seit 1967. Dort arbeiten 1800 Mitarbeiter und es entstehen täglich bis zu 550 Bikes. Am 6. Mai 2011 lief übrigens das zweimillionste BMW-Motorrad vom Band.

Weltweit hat BMW im letzten Jahr (2016) 145.032 Motorräder verkauft und konnte seine Absatzzahlen somit seit 1999 (65.168) mehr als verdoppeln. Und auch in diesem Jahr freut sich BMW bislang über eine weltweite Absatzsteigerung von 5,5 Prozent im ersten Vierteljahr 2017. So konnten von Januar bis März bereits 35.636 Motorräder und Großroller verkauft werden.

Daten

  • Gegründet (Motorrad): 1923
  • Legendär BMW R 1200 GS
  • Ausrichtung: Universalist