Ergebnisse der 13. Internationalen Motorradkonferenz

und ihre Bedeutung für mehr Verkehrssicherheit

Foto: ifz


Forschungserkenntnisse für den Transfer „auf die Straße“

27 wissenschaftliche Beiträge und eine konzentrierte Online-Expertendiskussion. Die 13. Internationale Motorradkonferenz des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) hat die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zur Motorradsicherheit zusammengetragen und dabei für einen befruchtenden Austausch der Forscherteams aus zahlreichen Ländern gesorgt. Am Ende hatten sich über 3.700 Teilnehmer aus mehr als 90 Nationen an der diesmal pandemiebedingt in den virtuellen Raum des Internets verlegten Konferenz beteiligt.

Und diese Zahlen werden noch weiter steigen, denn die Konferenzbeiträge, Studien, Präsentationen sind weiterhin im Online-Konferenzbereich unter ifz.de für jeden frei verfügbar.

Dass hier praxistauglich und damit vorrangig für die Sicherheit aller Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer geforscht wird, belegen schon die Themen der Konferenzbeiträge. Von der Fahrerausstattung über Fahrertrainings und elektronischen Assistenzsystemen bis hin zur Unfallanalyse, intelligenten Verkehrssystemen und Aspekten der Elektromobilität reichte die Bandbreite.

„Wer sich in deren Inhalte vertieft, wird feststellen, dass die präsentierten Ergebnisse und die daraus resultierenden Vorschläge und Sicherheitskonzepte für den zukünftigen Alltag der Motorrad- und Rollerfahrer höchst relevant sind“, hebt ifz-Forschungsleiter Matthias Haasper hervor.

Neue Technologien

Anschaulich wird dies etwa bei den vorgestellten neuen Ansätzen zur Unfallvermeidung. Das große Thema hier ist laut Haasper die Crash-Erkennung bzw. Vermeidung im Vorfeld, bei der digitale Technologien (Radar und Fahrzeugvernetzung), die quasi um die Ecke gucken können, das beschränkte Wahrnehmungsfeld der Fahrer beträchtlich erweitern und ihn damit frühzeitig vor einer Kollisionsgefahr warnen. Attraktivität und Akzeptanz solcher Systeme hängen dabei auch von der klugen Gestaltung der Schnittstelle zwischen Assistenzsystem und Mensch ab. So deuten beispielsweise Befragungen und Feldversuche mit Motorradfahrern darauf hin, dass es hinsichtlich der Übermittlung der Gefahrenwarnungen unterschiedliche Vorlieben gibt. Genannt werden hier in erster Linie das Vibrationsarmband und das Head Up-Display, aber auch das Smartphone im Cockpit wird als geeignet angesehen.

Noch einen Schritt weiter bei der Kollisionsvermeidung gehen Bemühungen, die Fahrer in Gefahrensituationen nicht nur zu warnen, sondern sie bei der Abwendung einer unmittelbaren Gefährdung durch regelnde Eingriffe zu unterstützen. So sind etwa Bemühungen, die im Automobilsektor bereits etablierten Notbremsassistenten auf motorisierte Zweiräder zu übertragen, technisch bereits weit fortgeschritten. Neuere Feldversuche mit Alltagsfahrern haben zudem die sichere Handhabbarkeit solcher Systeme durch sowohl Motorrad-, als auch Rollerfahrer belegen können.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz, der im Rahmen einer nie zuvor veröffentlichten Studie erläutert wurde, besteht in der Erstellung von digitalen Unfall-Risiko-Karten, in denen durch Testfahrer ermittelte fahrdynamisch anspruchsvolle oder gefährliche Streckenverläufe sowie Unfallschwerpunkte abgespeichert sind. Hier zeichnet sich eine ebenso einfache wie funktionale Präventionslösung ab, die den Motorradfahrern z.B. in ihre jeweiligen Navigationsgeräte eingespielt werden kann.

Flankiert werden diese Ansätze von Konzepten, die bei der Verkehrsinfrastruktur ansetzen, um auch diese sicherheitstechnisch weiter zu entwickeln. Eine Idee dabei: So genannte Safestrips. Dabei handelt es sich um sensorbestückte Messstreifen, die in die Fahrbahn eingelassen werden. Diese können dann – vorab definierte – Gefährdungsszenarien erkennen (z.B. Geisterfahrer, wetterbedingt verschlechterte Straßenzustände, beschädigte Straßenbeläge) und Motorradfahrern eine entsprechende audiovisuelle Nachricht/Warnung via App übermitteln.

Die Fahrer bleiben im Fokus der Forschung

„Ungeachtet der rasch voranschreitenden Entwicklung neuer Technologien stehen aber weiterhin auch die Motorradfahrerinnen und -fahrer im Fokus der Sicherheitsforschung“, betont Haasper.

Die Bandbreite der Experimente und Untersuchungen reicht dabei von der Analyse des Fahrstreifenwechsels von Motorrädern über Messungen der Lenkmomente, die für eine Richtungsänderung benötigt werden, bis hin zu dem Versuch, der Schräglagenschwelle auf die Spur zu kommen, die Motorradfahrer auch in Gefahrensituationen aus Angst nicht überschreiten und damit das mögliche (und womöglich entscheidende) Schräglagenpotenzial nicht ausnutzen. Damit die Fahrer ihre eigenen Grenzen reflektieren können, wird auch die Möglichkeit der Schräglagenmessung via Smartphone untersucht.

Digital in eine sicherere Zukunft?

Fahrer-Assistenzsysteme, Vernetzung, satellitengestützte Gefahrenanalyse, „intelligente“ Schutzkleidung: Die Digitalisierung des Individualverkehrs ist auch im Segment des Motorrad- und Rollerfahrens in vollem Gange. Die Sicherheit von motorisierten Zweirädern wird von zahlreichen Entwicklungen auf diesem Gebiet beeinflusst. Es ist zu erwarten, dass eine Marktdurchdringung mit modernen Motorrädern, die diese Vernetzungen ermöglichen und nutzen, mit sinkenden Unfallzahlen einhergehen wird. Wie aber steht es um die Akzeptanz dieser Innovationen durch die Nutzer?

„Motorradfahrer stehen diesen technologischen Entwicklungen aufgeschlossen gegenüber“, stellten die Teilnehmer während einer Diskussionsrunde, die im Rahmen der Konferenz stattfand, zur Zukunft des Motorrads klar. Diese Einschätzung teilt auch das ifz. Sie deckt sich mit den Erkenntnissen des ifz-eigenen Forschungsprojekts zum Sicherheitsbewusstsein von Motorradfahrern und zu deren Haltung gegenüber Fahrer-Assistenzsystemen. „Das Thema Sicherheit spielt für die übergroße Mehrheit der Motorradfahrer eine herausragende Rolle“, so Haasper. Dies zeige sich auch daran, dass insbesondere die sicherheitssteigernden Systeme von Kurven-ABS bis Traktionskontrolle, aber auch eine Warnblinkanlage von der großen Mehrheit der Befragten positiv bewertet würden. Knapp 62 Prozent der Befragten sind bereits heute der Meinung, dass Fahrer-Assistenzsysteme an Motorrädern mit dazu beitragen werden, die Unfallzahlen weiter zu senken. Insofern ist es eine ausgesprochen gute Nachricht, dass bei den Motorradherstellern fortwährend intensiv an neuen, teils kurz vor der Marktreife stehenden innovativen Lösungen gearbeitet wird, die das Leistungsvermögen elektronischer Assistenzsysteme weiter erhöhen und somit dafür sorgen, dass Motorradfahrer zukünftig noch sicherer unterwegs sein werden.

Fazit:

Der Tradition folgend war das breite Themenspektrum auch diesmal das Markenzeichen der Internationalen Motorradkonferenz des ifz. Der Experten-austausch brachte eine Reihe neuer sicherheitsdienlicher Erkenntnisse, die nicht nur für die aktuelle Praxis von Nutzen sind, sondern auch die Konturen des risikoärmeren Motorradfahrens der Zukunft zunehmend hervortreten lassen.

Expertenrunde

Im Rahmen des abschließenden Online-Live-Events fand unter dem Titel

« Future Mobility – PTWs at the Horizon 2030 and beyond » eine Round-Table-Discussion statt. Die vertretenen Institutionen waren die Weltgesundheits-organisation (WHO), die International Motorcycle Manufacturers Association (IMMA), die International Motorcycling Federation (FIM) sowie der Verband der Europäischen Motorradhersteller (ACEM). In Persona ihres Generalsekretärs Antonio Perlot übernahm ACEM auch die Moderatorenrolle der Diskussions-runde, die einen tiefen Blick in die Zukunft des Motorradfahrens erlaubte. Diskussionsteilnehmer waren Dr. Veneta Vassileva (ACEM; „Es ist wichtig, bei der Erreichung der Mobilitäts- Nachhaltigkeits- und Sicherheitsziele der EU auch die Motorradfahrer in die entsprechenden Planungen einzubeziehen.“), Dr. Nhan Tran (WHO; „Es ist nicht angebracht beim Motorradfahrer vom verletzlichen Fahrer zu sprechen. Es ist nicht das Motorrad, das den Fahrer ungeschützt lässt, es ist das System, der Rahmen, in dem er sich bewegen muss.“), Edwin Bastiaensen (IMMA; „Die verschiedenen Verkehrsteilnehmer sollten die gleichen Vorzüge genießen, es gibt keinen Wettbewerb zwischen den Systemen individueller und öffentlicher Verkehr. Vielmehr gilt es, zunehmend Verzahnungen zu ermöglichen.“) sowie Jesper Christensen (FIM; „Covid-19 und der Umgang damit, auch in der Nutzung neuer Technologien wie bei der Internationalen Motorradkonferenz, hat uns auch etwas gelehrt: Wir werden erleben, dass allgemein Vorbehalte und Ängste gegenüber technischen Innovationen (FAS-M, ITS) weiter abgebaut werden.“).

Es ist schon heute abzusehen, dass der Verkehrssektor vor großen Umwälzungen steht. Welche Rolle kann das Motorrad im Verkehr von morgen spielen? Neben Sicherheitsaspekten spielt hier auch das Thema Nachhaltigkeit eine immer entscheidendere Rolle. Prinzipiell sind Motorräder und Roller hier aufgrund ihrer bauartbedingten Vorteile (leicht, klein, wendig) bereits gut aufgestellt und ein geeignetes Mittel, in den Städten schnell voranzukommen und gleichzeitig Staus zu vermeiden (Motorisierte Zweiräder benötigen im Schnitt nur ein Fünftel des Platzes eines modernen Pkw, der im Schnitt nur 1,2 Personen bewegt.).

Die Expertenrunde war sich in einem einig: Sichere und ökologisch effiziente Motorräder können zu Garanten nachhaltiger Mobilität werden. Zum Teil sind sie es heute schon, etwa als ressourcenschonende Alternative in urbanen Räumen oder bei den Berufspendlern. Hier gilt es verstärkt anzusetzen, damit Roller und Motorräder zu einem selbstverständlichen Bestandteil eines Verkehrsmix der Zukunft werden. Hersteller und Politik werden weiterhin dazu beitragen, motorisierte Zweiräder noch umweltfreundlicher zu machen, sodass weiteres Einsparpotenzial in Puncto Ressourcenverbrauch ausgeschöpft wird.

Weitere Informationen zur Konferenz gibt es unter www.ifz.de.

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