Triumph Tiger Sport 660

Triumph Tiger Sport 660 im Test (Baujahr 2022)

Das neue Cross-Over Bike mit 660 ccm Triple im Test.

Test der Triumph Tiger Sport 660Fotos: motorradtest.de
 
Mit der neuen Tiger Sport 660 stellt Triumph seine neue Allzweckwaffe in der Mittelklasse der Sport-Tourer vor. Das Schwestermodell zur Trident 660 kostet 8.700 Euro und will mit Yamaha Tracer 7, Kawasaki Versys 650 & Co. um Käufer ringen. Ob das klappen kann, wollen wir bei einer ausgiebigen Probefahrt herausbekommen.

So steht sie da

Triumph gibt Gas! Neue Modelle sollen Marktanteile sichern und wenn möglich ausbauen. Was liegt da näher, als ein Schwestermodell zur meistverkauften Triumph des letzten Jahres auf die Beine zu stellen? Voilá - hier kommt die neue Tiger Sport 660. Sie ist der Trident technisch zwar sehr ähnlich, vom Charakter her aber ein ganz anderes Motorrad. Hoher, breiter Lenker, mehr Federweg, höhere Sitzposition, Frontverkleidung etc. und schon steht ein CrossOver-Bike vor uns. Eine echte Reise-Enduro will die neue Tiger nicht sein, eher ein Sport-Tourer, mit dem man auch zur Arbeit kommt. Dafür ist sie wesentlich leichter als die Adventure-Bike Dickschiffe und mit ihrem 17 Zoll Vorderrad auch herrlich agil. 
 
Doch bevor wir auf die Fahreigenschaften der Tiger eingehen noch ein Wort zur Sitzposition. Die Fußrasten sind angenehm positioniert und der Lenker ist dank Riser schön hoch und Richtung Fahrer positioniert. Das ergibt eine aufrechte Sitzposition mit entspanntem Kniewinkel, die auch längere Fahrten ohne Rückenprobleme ermöglicht. Dazu eine komfortable Sitzbank und reelle Haltegriffe für den/die Beifahrer(in) sowie integrierte Kofferträger und eine ordentliche Zuladung (zul. Gesamtgewicht 430 kg bei 206 kg fahrfertig). Okay, ganz so viel Platz wie auf einer Tiger 900 oder gar 1200 finden wir nicht vor, aber es reicht dicke und man fühlt sich sofort wohl auf der neuen 660er.
 
Abmessungen Sitzprobe
 
Ein bisschen mehr Mut hätten wir uns bei den Farben gewünscht. Die Tiger Sport 660 gibt es in Rot, Blau und Grau. Gut ist das verstellbare Windschild, das sich auch während der Fahrt verschieben lässt. Der Windschutz ist okay, kann aber wegen der eher kleineren Scheibe nicht mit den großen Reise-Dampfern mithalten. Bei hohen Geschwindigkeiten wird es laut, der Druck auf dem Oberkörper wird hingegen gut gemindert.

Virtueller Rundgang um die Triumph Tiger Sport 660
CockpitTripleAuspuff

Das soll sie können

Die Serienausstattung der Triumph Tiger Sport 660 ist gut, aber nicht übertrieben. Es gibt Ride by Wire, zwei selbsterklärende Fahrmodi "Rain" und "Road" und eine abschaltbare Traktionskontrolle. Das Cockpit gliedert sich wie bei der Trident in einen LC-Teil (invers) und ein kleines Farb-TFT-Display. Alle Anzeigen sind gut ablesbar und logisch angeordnet. Es gibt außerdem einen Bordcomputer und gegen Aufpreis kann man die Maschine per App mit seinem Smartphone koppeln.

Was fehlt ist eine Schräglagensensorik und so wichtige Dinge wie Wheelie-Control, Launch-Control, Hinterrad-Lift-Control und Control-Control. Scherz beiseite, außer einem Kurven-ABS gibt es nichts, was wir wirklich vermissen würden. Der eine oder andere Autobahnfahrer würde sich vielleicht einen Tempomat wünschen, den es aber auch gegen Aufpreis nicht gibt. Ach ja: Einen Hauptständer gibt es leider auch nicht, das dürfte dem einen oder anderen Reise-Enduristen wegen der nötigen Kettenpflege auf Reisen etwas nerven.

Aufpreispflichtig sind Heizgriffe, QuickShifter, Reifendruckkontrolle und natürlich das wie immer bei Triumph reichlich vorhandene Zubehör wie z.B. ein Koffersystem. Ein USB-Ladepunkt kann auch nachgerüstet werden, das landet dann aber unter der Sitzbank. Kleiner Tipp: Das kann man nach vorne verlegen lassen - da, wo es hingehört.

Beim Licht (Voll-LED inkl. der Blinker) haben wir übrigens nichts auszusetzen. Witzig: Die Blinker haben eine "Fire-and-forget" Funktion: Einmal kurz antippen und dann wird wie im Auto dreimal geblinkt, fertig.

Tiger 660 Sport in grauFoto: Triumph

 
So fährt sie sich

Genug geredet, jetzt wird gefahren. Wir werfen den Motor an und erfreuen uns erst einmal am herrlichen Klang des Triples. Die 3-in-1 Anlage klingt herzergreifend, gerade bei höheren Drehzahlen fängt der Triple wunderbar an zu fauchen (Soundcheck rechts oben). Schon auf den ersten Metern wird klar: Dieses Bike ist fahraktiv und leicht zugänglich. Man fühlt sich sofort als Treiber der Maschine und nicht als Getriebener. Das 17 Zoll Vorderrad und das geringe Gewicht unterstützen diesen Eindruck.
 
Die kleine Tiger kommt mit Michelin Road 5, eine gute weil passende Wahl. Das Fahrwerk ist außer der Federbasis hinten nicht einstellbar. Stört uns das? Nö. Die Showa USD-Telegabel ist komfortabel abgestimmt ohne dabei schwammig oder schwach zu wirken. Die Nissin-Bremsen packen ordentlich zu und vermitteln ein ebenso gutes Gefühl wie das ganze Fahrwerk. Die Maschine wirkt zu keiner Zeit überfordert, auch nicht, wenn man es mal etwas zügiger angeht. 
 
Der eigentlich Star der Tiger Sport 660 ist natürlich der Motor. Der 660 ccm Triple hängt jederzeit schön am Gas und leistet obenrum erstaunliches. Bei niedrigen Drehzahlen geht es wg. des moderaten Drehmoment zwar nicht so rasant vorwärts, aber dafür muckt der Motor auch bei 2.000 UMin nicht rum oder wird zickig. Wer dem Motor stattdessen Drehzahlen ab 5.000 UMin gönnt wird mit reichlich Vortrieb belohnt. Wie schon bei der Trident 660 ist man gewillt zu sagen: Da muss sich die Konkurrenz aber ganz schön warm anziehen! 

Der Verbrauch des Reihendreizylinders liegt bei 4,5 Litern auf 100 Kilometern, was bei der Tankmenge von max. 17,2 Litern eine rechnerische Reichweite von 380 km bedeutet. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei knapp 200 km/h, man kommt - wenn es mal nötig ist - also auch schnell von A nach B. Wichtig für Tirol-Reisende: Das Standgeräusch der Tiger 660 liegt bei 94 db - uff....

Fazit - was bleibt hängen

Die Tiger Sport 660 ist tatsächlich ein Motorrad für alle Gelegenheiten. Ob zur Arbeit, in der Stadt, zum Kurvenswingen auf der Landstraße oder auf Reisen - kann sie alles. Sie dank der gutmütigen Fahrverhaltens auch für Fahranfänger geeignet und überfordert niemanden.
 
Die Wettbewerber haben weniger Leistung und sind allesamt Zweizylinder. Wer also auf Triples steht, kommt in dieser Klasse sowieso nicht an der Triumph vorbei, aber auch davon abgesehen steht die Tiger im Vergleich zur Konkurrenz gut da.
 
Wer jetzt Blut geleckt hat und eine Probefahrt wagen möchte begebe sich schnellstmöglich zu Triumph Hamburg. Dort steht das kleine Kätzchen zur Probefahrt bereit und wird Dich mit einem herzzerreißenden Fauchen empfangen. 

Preis/Verfügbarkeit/Farben/Baujahre

  • Preis: 8.700€
  • Verfügbarkeit: ab 01/2022
  • Farben: rot, grau, blau
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Pro & Kontra

  • leichtes, wendiges, einfach zu fahrendes Bike
  • elastischer und leistungsstarker Motor
  • langstreckentaugliche Sitzposition
  • herrlicher Triple-Sound
  • einfache Bedienung, kein unnötiger Schnickschnack
  • kein Hauptständer
  • kein USB im Cockpit
  • wird bei schneller Fahrt laut
Von unserem Team geprüft:

Allgemein

Typ
Crossover
UVP
8.700 €

Abmessungen

Länge
2.020 mm
Höhe
1.398 mm
Gewicht
206 kg
zul. Gesamtgewicht
430 kg
Sitzhöhe
835 mm
Radstand
1.420 mm

Fahrleistungen & Reichweite

Tankinhalt
17,2 l
Verbrauch
4,5 l
Reichweite
382 km

Motor & Kraftübertragung

Motorbauart
Dreizylinder-Reihenmotor, DOHC, 12V
Zylinderzahl
3
Kühlung
flüssig
Hubraum
660 ccm
Bohrung
74 mm
Hub
51,1 mm
Leistung
81 PS
Drehmoment
64 NM
Ganganzahl
6
Antrieb
Kette

Fahrwerk & Bremsen

Rahmen
Stahlrohr-Perimeterrahmen
Federung vorn
41mm Showa Up-Side-Down-Gabel mit separater Funktion
Federweg:
150 mm
Federbein hinten
Showa Monoshock Hinterradaufhängung mit hydraulisch, werkzeuglos einstellbarer Federvorspannung
Federweg:
150 mm
Aufhängung hinten
Zweiarm-Stahlprofilschwinge
Bremsen vorne
Doppelscheibe, Nissin-2-Kolben-Sättel
310 mm
Reifen vorne
120/70-17
Bremsen hinten
Einzelscheibe, 1-Kolben Bremssattel Nissin
255
Reifen hinten
180/55-17
ABS
ABS